Michaela Eichwald

Michaela Eichwald · Auf das Ganze achten und gegen die Tatsachen existieren, Ausstellungsansicht Kunsthalle Basel, 2021 © ProLitteris. Foto: Nicolas Gysin

Michaela Eichwald · Auf das Ganze achten und gegen die Tatsachen existieren, Ausstellungsansicht Kunsthalle Basel, 2021 © ProLitteris. Foto: Nicolas Gysin

Michaela Eichwald · Blick auf Panzerwiese Hartelholz, 2020, Ausstellungsansicht Kunsthalle Basel © ProLitteris. Foto: Nicolas Gysin

Michaela Eichwald · Blick auf Panzerwiese Hartelholz, 2020, Ausstellungsansicht Kunsthalle Basel © ProLitteris. Foto: Nicolas Gysin

Hinweis

Michaela Eichwald

Basel — In ihrem Buch ‹Die Liebe zur Malerei› charakterisiert Isabelle Graw die malerischen Praktiken der Kunstschaffenden aus dem Rheinland als «Malereikritik in gemalten Bildern». Diese hielten, so ihre These, an der Malerei fest, obwohl das Medium, insbesondere die Figuration, seit den 1980er-Jahren als obsolet galt. Diese anti-essentialistische, konzeptuelle Malerei, welche die Kritik am modernistischen Verständnis der Autonomie, des Illusionismus und der Reinheit intern verhandelt, entfaltet bis heute ein reichhaltiges Nachleben, wie die Malerei von Michaela Eichwald (*1967, Gummersbach) zeigt.
Eichwald studierte in den späten 1980er-Jahren in Köln zwar Geisteswissenschaften, begegnete jedoch gleichzeitig Malerinnen aus dem Rheinland wie Jutta Koether informell. Wie diese arbeitet Eichwald mit malereikritischen Impulsen auf verschiedenen Ebenen. Als Autodidaktin hinterfragt sie zunächst das klassische Rollenbild sowie die Malerei als höchste Kunstgattung. Die gebrauchten Sofas und Sessel in der Basler Ausstellung widersetzen sich der modernistischen Autonomiebehauptung des White Cube.
In den Bildern selber sind es die Bildträger, die sich als zweckentfremdete Readymades gegen eine vermeintlich autonome Logik der Malerei wehren. Eichwald verwendet hauptsächlich Kunstleder in vielfältigen Farben und Oberflächenstrukturen, wie sie für Autositzpolster oder Wandverkleidungen gebraucht werden. Diese öffnen den Blick auf heutige Industrieproduktion und Warenästhetik, deren spezifische Stofflichkeit die Künstlerin malereikritisch nutzt. Kunstleder-Oberflächen haben beispielsweise keine Transparenz, lassen deshalb keine Schichten durchschimmern, was jeden Illusionismus verhindert. So bleiben beispielsweise die Meerestiere in ‹Mullack and Friends› als pastose Materialüberlagerung schematisch und flächig, verweigern sich einer illusionistischen Plastizität. Figuration kommt vielmehr durch Interaktion von Materialstrukturen der Bildträger und der Malmittel ins Spiel. Beim grossen Querformat ‹Numinosum› beispielsweise verwendet Eichwald schwarzes, dicht perforiertes Kunstleder. Die wolkigen beige-braunen Zonen, die oben rechts durch unterschiedlich dichte Grafit- und Lackschichten entstehen, werden durch die einzelnen, mit Farbe ausgefüllten Perforierungslöcher zu einem Hundekopf mit leuchtenden Augen. Auf der linken Seite malte die Künstlerin einen schlammig-dünnen Linienkörper, der in einen Pilzphallus mündet und an Nancy Speros ‹Codex Artaud VI› erinnert. Hier hinterfragt Eichwalds Malerei mit dem abstossenden Materialbild die modernistische Reinheit.

Bis 
23.01.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Michaela Eichwald 08.10.202123.01.2022 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Autor/innen
Heidi Brunnschweiler
Künstler/innen
Michaela Eichwald

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