On Waiting …

Christine Ellison · Let’s Interface the Music and Dance: Variations Op.21, 2021, Video, 11’’, Videostill

Christine Ellison · Let’s Interface the Music and Dance: Variations Op.21, 2021, Video, 11’’, Videostill

Latefa Wiersch · Monsterhood Part II, Sennen­tuntschi, a cultural appropriation, 2020, Video, 26’22’’, Videostill

Latefa Wiersch · Monsterhood Part II, Sennen­tuntschi, a cultural appropriation, 2020, Video, 26’22’’, Videostill

Hinweis

On Waiting …

Zürich — Eine glückliche Fügung: Einmal mehr zieht zeitgenössische Kunst in das Literaturhaus Strauhof ein. Kunst, die freilich Literatur, Text, Sprache zu ihrem Ausgangspunkt nimmt. Kurt Schwitters ‹Ursonate›, Josef Beuys’ Laut-Skulptur ‹Ja, ja, ja, ne, ne, ne› oder Barbara Krugers Schrift-Gesten, immer wieder loteten Künstlerinnen und Künstler Möglichkeiten der Grenzerweiterungen hin zu Sprache und Poesie aus. Im Strauhof sind nun unter dem Titel ‹On Waiting … For Their Words to Leave Our Mouth› dreizehn überwiegend performative oder videobasierte Positionen aus der Schweiz und Grossbritannien am Start. Das reicht von Tine Melzers denkbar einfacher, mit Bleistift auf die Wand geschriebener Botschaft ‹I was not here›, 2009/2021,  – sie gibt den Künstlerinnen-Staffelstab an die Besucher weiter, um sich selbst ein Wort, ein Bild zu machen – bis hin zur Wiederbegegnung mit Elodie Pongs grossartiger Wort-Zerpfückerei in dem lakonischen Kammerspiel ‹Ersatz›, ein Video aus dem Jahr 2011.
Es lassen sich munter rote Start-Buzzers treten, welche die Retro-Pop-Instrumente-Installation ‹Repulsion Explosion›, 2021, von Kira van Eijsden zum Leben erwecken – nur dass sie als Soundtrack die re-sampelte antifeministische Hate-Speach aus dem Internet von sich gibt. So legt die Ausstellung ihr Augenmerk auf die gesellschaftliche Bedingtheit von Sprache, deren feine Unterschiede und ihre Machtzusammenhänge, kommt dabei aber nicht mit schwerem Gepäck und Sendungsbewusstsein daher, sondern mit Leichtigkeit und Humor.
Das liegt auch an der Kooperation, der dieses Projekt zugrunde liegt. Die Ausstellung entstand aufgrund eines studentischen Impulses als Zusammenarbeit der britischen Reading School of Art mit der F+F Schule für Kunst und Design Zürich. Letztere feiert 2021 ihr 50-jähriges Bestehen. Dabei hätte ihr mehr Mut gutgetan. Wie im Kinderzimmer werden die binationalen studentischen Arbeiten als ‹The Reading Group›, als ‹Lese-Gruppe› in der gros­sen Obergeschossstube präsentiert – hier darf sich das partizipative Ego der Besucherinnen und Besucher an diversen Displays austoben. Wenn jeder zum Akteur werden soll, warum hat man aus den Studierenden hier nur Reader und keine Writer, Schreibende, gemacht? Dass dafür Potenzial besteht, liegt auf der Hand, oder, wie die Ausstellung schlagend nahelegt, im Mund. Warten braucht man dazu nicht. 

Bis 
09.01.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
On waiting...for their words to leave our mouth 03.12.202109.01.2022 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Christine Ellison
Latefa Wiersch
Autor/innen
Max Glauner

Werbung