Acosta, Burtynsky, Lermite …

Edward Burtynsky · Eaux troublées, 2022, Ausstellungsansicht Musée des Beaux-Arts du Locle. Foto: Lucas Olivet

Edward Burtynsky · Eaux troublées, 2022, Ausstellungsansicht Musée des Beaux-Arts du Locle. Foto: Lucas Olivet

Ignacio Acosta · Inverting the Monolith, 2022, Ausstellungsansicht Musée des Beaux-Arts du Locle. Foto: Lucas Olivet

Ignacio Acosta · Inverting the Monolith, 2022, Ausstellungsansicht Musée des Beaux-Arts du Locle. Foto: Lucas Olivet

Hinweis

Acosta, Burtynsky, Lermite …

Le Locle — Nathalie Herschdorfer brach bei ihrem Antritt der Leitung des Musée des Beaux-Arts du Locle 2014 die Dualität zwischen Sammlungspräsentation und Wechselausstellungen auf. Sie kombinierte stattdessen Auftritte von Künstler:innen aus Nah und Fern mit Sammlungsausschnitten. Seit Juni 2022 leitet die international gefragte Fotospezialistin das unter dem neuen Namen Photo Elysée zur Lausanner Plateform 10 gestossene Musée de l’Elysée und verabschiedet sich nun definitiv vom MBAL mit der Grossausstellung zum neuesten Zyklus von Edward Burtynksy (*1955), ‹Eaux troublées›. Darin brandmarkt der kanadische Fotograf mit seinen längst ikonischen, strukturentlarvenden Luftaufnahmen die Verheerung des Wasserhaushaltes rund um den Globus durch Ressourcenverschleiss, Emissionen und Abfälle.
Den parallel gezeigten Präsentationen nahm sich bereits die unlängst mit einer Studie zur Foto-Textualität promovierte Federica Chiochetti als neue Direktorin an. Drei sind ebenfalls auf Ökologiefragen ausgerichtet, die erste eher zufällig: Es sind die Nachwuchs-preisträger der ‹Triennale de l’art imprimé contemporain›, die als Bienvenue Studios aktiven Xiaoqun Wu (*1990) und Oliver Hischier (*1987). Bei ihrer Carte blanche unter dem Titel ‹Into Mountains – Wear Your Mirror› lassen sie apotropäische Rituale vor Bergbesteigungen der Jin-Dynastie (3.–5. Jh.) vor der Folie unserer heutigen, ökonomischen Betrachtung von Extremlandschaften wiederaufleben. Besonders spannend ist die Schweizpremiere der letztjährigen Zwei-Kanal-Videoinstallation ‹Inverting the Monolith› des chilenischen, von London aus operierenden Künstlers Ignacio Acosta (*1976), die einen Kontrast zur abstrakten und philosophischen Linie von Burtynsky bildet. Seit Jahren zeichnet sich Acosta durch intensive Feldforschung zu Gebieten aus, die kolonialer Intervention und intensiver Kapitalisation ausgesetzt sind. In ‹Inverting the Monolith› positioniert er sich durch den Einschluss von Bildern von Aktivist:innen in seine eigenen Aufnahmen klar für die Abschaffung der absurden, unter der Pinochet-Diktatur eingeführten Trennung von Grund- und Untergrundbesitz, die dazu führt, dass die Natur und Indigene durch die seither verlegten Vermessungssteine buchstäblich den Lebensraum und den Boden unter den Füssen verlieren. Eindrücklich erinnern Landschaften des Lokalkünstlers Lermite alias J.-P. Schmied (1920–1977), die in neokubistischem Stil auf Ingenieurbauten fokussieren, an die auch hierzulande schon lange die Umwelt mit geradezu heroischem Elan determinierenden Aktivitäten des Menschen. 

Bis 
26.02.2023
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Eaux Troublées — Edward Burtynsky 22.10.202226.02.2023 Ausstellung Le Locle
Schweiz
CH
Künstler/innen
Edward Burtynsky
Autor/innen
Katharina Holderegger

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