A Chair and You — Eine glänzende Vorstellung

‹A Chair and You›, Ausstellungsansicht ‹Bright Space›, mudac, Lausanne, 2022, Szenografie: Robert Wilson. Foto: Lucie Jansch

‹A Chair and You›, Ausstellungsansicht ‹Bright Space›, mudac, Lausanne, 2022, Szenografie: Robert Wilson. Foto: Lucie Jansch

‹A Chair and You›, Ausstellungsansicht ‹Medium Space›, mudac, Lausanne, 2022, Szenografie: Robert Wilson. Foto: Lucie Jansch

‹A Chair and You›, Ausstellungsansicht ‹Medium Space›, mudac, Lausanne, 2022, Szenografie: Robert Wilson. Foto: Lucie Jansch

Besprechung

Der Theatermann und Designer Robert Wilson mobilisiert die ganze Bandbreite New Yorker Bühnenkunst, um im mudac die verschiedenen Typologien in der Stuhlsammlung von Thierry Barbier-Mueller aufzufächern und jedes Stück in seinem besten Licht zu zeigen.

A Chair and You — Eine glänzende Vorstellung

Lausanne — Die aktuelle Schau ist nicht nur die erste nach dem Umzug des mudac in den «Betonwürfel» im neuen Museumsquartier Plateforme 10. Mit ihr verabschiedet sich auch die langjährige Direktorin Chantal Prod’hom, die das Musée d’art appliqué et du design dezidiert als Ausstellungshaus positioniert und dabei in eine Gegenwart geführt hat, die der Postmoderne in den lateinischen und angelsächsischen Ländern in ihrer ganzen Theatralik aufgeschlossen ist.  
Schon beim Aufgang über die breite Treppe ist ein fröhliches Pfeifen zu hören, unterlegt von einem «gebeselten» Jazzrhythmus, in den sich zuweilen das Bellen eines Hündchens und der Ausstellungstitel als Sprechsingsang mischen: «a … chaiaiair … and yououou». Man stellt sich einen Amerikaner vor, oder eine sehr emanzipierte Amerikanerin (denn für Frauen, denen ja stets hinterhergepfiffen wurde, galt Pfeifen lange als speziell unverschämt), beim Spazieren durch den Central Park. Passend zu dieser heiteren und auch sexuell aufgeladenen Stimmung tauchen fantastische Inszenierungen höchst extravaganter Stühle auf. So sind sie in Schredderabfälle gesteckt, auf tortenähnlichen Podesten platziert oder sie baumeln von der Decke. Der erste Raum der Schau bringt diejenigen Objekte in der Stuhlsammlung von Thierry Barbier-Mueller in Dialog miteinander, die sich den hochmodernen Ansprüchen an Design – «Form Follows Function» und «Less is More» – mitunter provokativ entgegenstellen. Das reicht bis zu einem mit Tierfellimitaten beschlagenen, ziemlich vulgären Riesenstöckelschuh.
Ein Gang wie am Broadway mit Myriaden von Glühbirnen, Pompons und eingerahmten Fotografien, auf denen jedoch nicht legendäre Schauspieler:innen, sondern ikonische Stühle zu sehen sind, macht bereits klar, dass der Designer Robert Wilson, der für die Szenografie verantwortlich zeichnet, auch die seriöseren Objekte in der privaten Stuhlsammlung wie ein Casting behandelt. Es fehlt zudem in der ganzen Schau jegliches Werkschild. Nach einem sehr gediegenen Raum, in dem teils durch Gaze hindurch minimalistische Kreationen aus Holz und Stahl zu sehen und Industriegeräusche zu hören sind, dreht Wilson rund um Stühle mit polierter Oberfläche nochmals richtig auf – nun zu Elektrosound. Im «Dark Space» erscheinen sie wie Stars im Spotlight, und im «Kaleidoscope Space» blitzen sie sogar nur mehr stroboskopisch in einer Spiegellandschaft auf. 

Bis 
05.02.2023
Institutionen Land Ort
Mudac Schweiz Lausanne
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
A Chair and You 28.10.202205.02.2023 Ausstellung Lausanne
Schweiz
CH

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