Doris Salcedo

Doris Salcedo · Palimpsest, 2013–2017, Ansicht Fond. Beyeler. Foto: M. Niedermann

Doris Salcedo · Palimpsest, 2013–2017, Ansicht Fond. Beyeler. Foto: M. Niedermann

Hinweis

Doris Salcedo

Basel — Yusuf Hasso. Elaha Azizi. Zahin Kurdi. Sajida Ali. Dies sind Namen von Migrant:innen und Geflüchteten, die in den letzten zwanzig Jahren bei der Überquerung des Atlantiks oder des Mittelmeers ums Leben kamen. In Salcedos (*1958, Bogotá) beklemmender Installation erscheinen diese Namen auf porösen Steinplatten, die den ganzen Boden bedecken. Wie Ebbe und Flut, wie Wellen oder Tränen drücken sie in Form von Wasser aus dem Stein hervor, um nach einiger Zeit wieder zu versickern. Andere sind mittels gefärbten Sandes in die Platten eingelassen, wie halb verwischte Spuren. Die länglichen Steinplatten erinnern an Grabsteine, auch an Särge, zusammen an ein Massengrab oder eine Gedenkstätte. Die darauf eingeschriebenen Namen – etwa lebensgross – werfen die Frage auf, wer diese Personen waren. Die individuellen Schicksale bleiben aber unerzählt. Umso deutlicher werden hingegen die Machtverhältnisse: Beim Begehen der Installation schaut man aus erhöhter Position auf die Namen herab. Um nicht auf sie zu treten, muss man grosse Schritte über die «Personen» machen, ein Akt, der zwar rücksichtsvoll gemeint ist, sich aber eher gewaltvoll anfühlt. Es ist denn auch die Stärke der Installation, dass sie es verunmöglicht, Distanz zu wahren – der eigene Körper und das eigene Tun werden in unmittelbare Beziehung zu den Individuen gesetzt, denen hier gedenkt wird. 

Bis 
17.09.2023

→ Fondation Beyeler, bis 17.9.; grosse Soloschau von Doris Salcedo vom 21.5.–17.9.

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Doris Salcedo — Palimpsest 09.10.202217.09.2023 Ausstellung Basel/Riehen
Schweiz
CH
Künstler/innen
Doris Salcedo
Autor/innen
Martina Venanzoni

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