Etel Adnan

Etel Adnan · Untitled, 2012, Öl auf Leinwand, 24 x 30 cm © ProLitteris

Etel Adnan · Untitled, 2012, Öl auf Leinwand, 24 x 30 cm © ProLitteris

Etel Adnan · Untitled, 2020, Öl auf Leinwand, 33 x 41 cm, Courtesy The Estate Etel Adnan und Sfeir-Semler Gallery, Beirut/Hamburg © ProLitteris

Etel Adnan · Untitled, 2020, Öl auf Leinwand, 33 x 41 cm, Courtesy The Estate Etel Adnan und Sfeir-Semler Gallery, Beirut/Hamburg © ProLitteris

Hinweis

Etel Adnan

München — Die Sonne geht in ihren Bildern so strahlend auf, dass man einen ungeheuren Energieschub spürt. Jetzt ist das Werk der gebürtigen Libanesin Etel Adnan (1925–2021) in ganzer Fülle im Münchner Lenbachhaus zu sehen – als erste Einzelschau in Deutschland. Gezeigt werden Gemälde und Zeichnungen aus sechzig Schaffensjahren sowie Tapisserien, deren Entwürfe Adnan erst spät realisieren konnte. Einzigartig sind ihre Leporellos: Ein «fortlaufender Fluss der Bilder», in dem die zeichenhafte Verdichtung von Malerei und Sprache Gestalt findet.
Denn Adnan malte, zeichnete, schrieb Gedichte, Romane und war stets politisch engagiert. Als Kind einer griechischen Mutter und eines syrischen Vaters, die nach dem Ende des Osmanischen Reiches gemeinsam aus Smyrna (Izmir) nach Beirut geflohen waren, erfuhr Adnan am eigenen Leib, welches Chaos der Kolonialismus der Briten und Franzosen im Nahen Osten angerichtet hatte. Auf Anregung des Vaters lernte sie Arabisch. 1949 ging sie zum Philosophiestudium nach Paris. 1955 zog sie weiter ins kalifornische Berkeley, wo sie 1960 zu malen begann. Mit einem Schlag berühmt wurde Adnan 2012 durch die documenta 13, im Alter von 87 Jahren. Während der Vorbereitungen zur Münchner Präsentation ist sie Ende 2021 mit 96 Jahren in Paris gestorben.
Wichtiges Sujet war der Mount Tamalpais, den sie in Kalifornien von ihrer Wohnung aus im Wechsel von Licht und Wetter sah – ihre Montagne Sainte-Victoire. Die Auseinandersetzung mit Landschaft wird ihr zur «mystischen Erfahrung». Das Ergebnis ist nicht impressionistisch, sondern eine eigenwillige Variante der Farbfeldmalerei. Und die Natur ist verbindendes Element ihrer Lebensstationen – Sonne, Meer, Berge. Darum war sie auch begeistert von Gabriele Münter, Kandinsky und vor allem Paul Klee. Im Lenbachhaus stehen Etel Adnan ausgewählte Sammlungswerke gegenüber. Neben Klees ‹Erzengel› etwa hängt ihr Gemälde ‹Persisch› von 1963/64, dessen Rosa, Lila, Türkis und Blau sich widerspiegeln.
«Ich muss nicht mehr auf Französisch schreiben, sondern male auf Arabisch», erklärt sie ihre Entwicklung. Man findet in ihrer Kunst keine Figuren, stattdessen Kreise, Quadrate, gestapelte Dreiecke. Ihre Landschaften erscheinen durch radikale Reduktion der Formen abstrakt. Die Voraussetzungen für immense Ausdruckskraft sind Etel Adnans weiter kultureller und intellektueller Horizont und ihr feines Gespür für Natur und Farbe. ‹Où est la lumière?› lautet der Titel einer Serie auf Papier – man kann sicher sein, dass die Schöpferin das Licht gefunden hat. 

Bis 
26.02.2023
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Etel Adnan 25.10.202226.02.2023 Ausstellung München
Deutschland
DE
Künstler/innen
Etel Adnan
Autor/innen
Roberta, De Righi

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