Jain sein

Jainistische Mönche und Nonnen beim Wandern, Dokumentarfilm in der Ausstellung, Courtesy Green Barbet, Indien

Jainistische Mönche und Nonnen beim Wandern, Dokumentarfilm in der Ausstellung, Courtesy Green Barbet, Indien

Einladungsbrief an einen Mönch für den Aufenthalt während der Regenzeit, Indien, Gujarat, spätes 18. oder frühes 19. Jh., Malerei auf Papier, Geschenk Eberhard und Barbara Fischer, Museum Rietberg

Einladungsbrief an einen Mönch für den Aufenthalt während der Regenzeit, Indien, Gujarat, spätes 18. oder frühes 19. Jh., Malerei auf Papier, Geschenk Eberhard und Barbara Fischer, Museum Rietberg

Hinweis

Jain sein

Zürich — Es geht hinunter im «Smaragd» im Rieterpark, tief hinein in die Welt des Jainismus und einer Ausstellung mit über 200 Exponaten aus fast 2000 Jahren, welche diese ausserhalb Indiens relativ unbekannte Religion vorstellt. Ihr Fundament ist die Gewaltlosigkeit und die Achtung aller Lebensformen. Mönche wischen daher mit einem weichen Besen den Weg vor ihren Füssen, um keine Insekten zu zertreten, und sie fahren auch nicht Auto. Ihre langen Wanderungen unterbrechen sie in der Regenzeit und werden mit aufwendig gestalteten Briefen willkommen geheissen, denn für die Gemeinden war es eine besondere Ehre, wichtige Mönche zu beherbergen. Auch wenn Askese eine der Leitlinien für die Gläubigen ist, verschränken sich Kunst und Haltung in verschiedenen Werken. Kleine Altäre aus Bronze zeigen die zwölf oder 24 Jina – die «Furtbereiter» –, kraftvolle Gemälde führen die Qualen jainistischer Höllen vor Augen, auf einer feinen Seidenstickerei kämpfen acht der 16 Weisheitsgöttinnen mit ihren Schwertern gegen die Unwissenheit, und eine reich verzierte quadratische Steinplatte aus dem 1. Jahrhundert aus dem State Museum in Lucknow gedenkt den Jinas und ihrer Lehre.
Unser beliebtes Leiterlispiel hat mit ‹Snakes and Ladders› auch indische Wurzeln; es wurde im Rietberg neu konzipiert und lädt unter dem Titel ‹Und Du?› zum interaktiven Mitspielen ein. Die zu beantwortenden Fragen werden hierbei laufend durch Vorschläge der Besucher:innen ergänzt. In der Parkvilla sind wunderbare Handschriften zum ‹Kalpasutra› ausgestellt. Die so filigranen wie präzisen Blätter im Querformat zählen zu den ältesten Zeugnissen indischer Buchkunst und erzählen aus dem Leben des nur in Legenden überlieferten Jina Mahavira, der als Gründer des Jainismus gilt. Text, Farben und Illustrationen bilden hierbei eine genau abgewogene Einheit; eine moderne Animation ergänzt mit einer Prise Augenzwinkern die strengen Blätter. Den thematischen und kunsthistorischen Bogen schliessen sieben ausführliche Interviews mit Jains, die aufzeigen, wie jainistische Prinzipien im heutigen Leben angewandt und den Stürmen der Welt entgegengesetzt werden können. Die reiche, in den Grundfarben der Bilder akzentuierte Ausstellung erfordert Aufmerksamkeit und Zeit, was ihr unbedingt gegeben werden sollte, bevor man wieder vom (zu) geschäftigen Alltagsleben mitgerissen wird.

Bis 
30.04.2023

→ Museum Rietberg, bis 30.4.; mit Publikation zur Ausstellung und Reclam-Heft zur Religion ↗ www.rietberg.chwww.arihanta-academy.com (für Interviews)

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Jain sein 18.11.202230.04.2023 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Thomas Schlup

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