Jean-Luc Manz — Konkrete Begegnungen

Jean-Luc Manz · Une promenade de ce côté II, Nr. 9, 2021, Acryl auf Leinwand 64 x 48 cm. Foto: Julien Gremaud

Jean-Luc Manz · Une promenade de ce côté II, Nr. 9, 2021, Acryl auf Leinwand 64 x 48 cm. Foto: Julien Gremaud

Besprechung

Zum Abschied präsentiert die bisherige Direktorin Claudine Metzger im Kunsthaus Grenchen ein besonderes ­«gemischtes Doppel»: Konkrete Blätter aus der Sammlung Liliane Beck-­Barbezat treffen auf malerische Abstraktionen von Jean-Luc Manz. Aus Fragen zur Serialität entsteht ein spannender Dialog.

Jean-Luc Manz — Konkrete Begegnungen

Grenchen — Das Kunsthaus Grenchen schafft in Doppelausstellungen oft Verbindungen zwischen seiner Villa mit Kabinetten und dem weiten Neubau. So sind aktuell in der Villa Girard, wo das geschenkte Sammlungskonvolut von Liliane Beck-Barbezat mit mehrheitlich weiblichen Kunstschaffende präsentiert wird, zwei Serien von Jean-Luc Manz integriert. Die eine, ‹Les fondamentaux›, 2021, trifft auf eine dreiteilige Serigrafie von Vera Molnár (*1924, Budapest). Molnárs Blätter von 1959 aus der Basler Edition Fanal zeigen gestapelte Balken, wobei einer in Schräglage aus dem Raster fällt. Sie schlagen einen Bogen zu den Rechteckformen bei Manz. Diese formalen Parallelen basieren auf unterschiedlichen Ansätzen: Molnár, Vordenkerin der Computerkunst, arbeitet systematisch, ordnet ihr konkretes Formenrepertoire seriell an und erzeugt durch minimale Abweichungen Störungen. Die Werke von Jean-Luc Manz (*1952, lebt in Lausanne) kann man hingegen als hintergründiges Spiel mit dem Vokabular und den strengen kompositorischen Prinzipien der «Konkreten» lesen.
Manz’ Arbeiten entpuppen sich als Malerei, die bewusst nicht perfekt ist. Die Farben sind nicht deckend, Weissflächen weisen unterschiedliche Helligkeitsnuancen auf, und Linien ähneln Hilfslinien. Die Serie ‹Luxe, calme et volupté›, 2019, gibt Hinweise auf sein Vorgehen. Sie zeigt Ausschnitte aus Modezeitschriften neben malerischen Umsetzungen als abstrahierte, flächige Farbstiftzeichnung. Fragmente der gegenständlichen Welt, die vage erahnbar bleiben, liegen vielen seiner Werke zugrunde. So auch der Serie ‹Une promenade de ce côté II›, die seiner Soloschau im Neubau den Titel gibt. Ausgangspunkt der 35 Gemälde ist die Zeitung Libération. Die rote Raute aus dem Logo erscheint im Bild Nummer 13 deutlich, das Layout des französischen Blattes beeinflusst die Anordnung der Komposition. Es gibt Teile, die an getilgten Text erinnern, aber ebenso losgelöste Formen wie Kreise oder Rechtecke.
Die Konkrete Kunst aus der Sammlung Liliane Beck-Barbezat nutzt die Serialität, um ein Motiv in verschiedenen Varianten zu deklinieren. Bei Manz hingegen entspringt sie der Praxis, Vorlagen über Skizzen zu abstrahieren und dann in Gemäldereihen zu überführen. Seine Mittel sind bewusst mal streng linear, mal freihändig, was ihm im «Forschungsfeld der Geometrie» immer neue Wege eröffnet. Und genau dieser Kontrast zwischen Freiheit und Regelhaftigkeit macht den Vergleich der zwei Ausstellungen spannend.

Bis 
05.02.2023
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Jean-Luc Manz — Une promenade de ce côté 27.11.202205.02.2023 Ausstellung Grenchen
Schweiz
CH
Nummer, Kurve, Rhythmus — Konkrete Kunst der Sammlung Liliane Beck-Barbezat (Teil II) 27.11.202205.02.2023 Ausstellung Grenchen
Schweiz
CH
Autor/innen
Adrian Dürrwang
Künstler/innen
Jean-Luc Manz

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