Laura Grisi

Laura Grisi · Volume of Air, 1968, Holzwände fluoreszierend weiss gestrichen, weisse Decke, weisser Boden, weisse Neonröhren, 450 x 450 x 450 cm. Foto: Annick Wetter

Laura Grisi · Volume of Air, 1968, Holzwände fluoreszierend weiss gestrichen, weisse Decke, weisser Boden, weisse Neonröhren, 450 x 450 x 450 cm. Foto: Annick Wetter

Laura Grisi · Un’Area di Nebbia (A Space of Fog), 1968, Künstlicher Nebel, spiralförmige Neonröhren, Plexiglas, Stahl, Ausstellungs­ansicht MAMCO. Foto: Annick Wetter

Laura Grisi · Un’Area di Nebbia (A Space of Fog), 1968, Künstlicher Nebel, spiralförmige Neonröhren, Plexiglas, Stahl, Ausstellungs­ansicht MAMCO. Foto: Annick Wetter

Hinweis

Laura Grisi

Genf — Laura Grisi gehört zu einer Generation von Künstler:innen wie Christo oder Dennis Oppenheim, die ab den 1960er-Jahren mit ihren «Earthworks» die Kunstwelt erobert haben. In ihrem Fall dauerte dies jedoch nur kurze Zeit: Die greco-italienische Künstlerin erschien 1964 auf der Kunstbühne und verschwand bereits Ende der 1970er wieder von der Bildfläche. Ihr Werk geriet daraufhin in Vergessenheit. Nach dem Tod von Laura Grisi (1939–2017) wurde 2021 zum ersten Mal eine Retrospektive ihrer Arbeit vom italienischen Kurator Marco Scotini initiiert, und zwar im Museum Susch. Die Ausstellung im MAMCO ist eine Fortsetzung, ist jedoch keine Überblicksschau, sondern konzentriert sich auf einen zentralen Aspekt von Grisis Kunst: die Umwelt.
Laura Grisi fotografierte, drehte Filme, baute Installationen und malte. Sie überwand künstlerische Kategorien (Pop-Art, Minimal Art, Arte Povera), um eine sehr persönliche Synthese daraus zu schaffen. So versuchte die Künstlerin, die Erfahrung von Naturphänomenen unverändert wiederzugeben: «Ich wollte kein Bild oder eine Skulptur, die Luft, Erde oder Wasser enthält. Ich wollte Luft, Erde oder Wasser nicht zu Objekten machen», sagte sie 1990 in einem Interview. In diesem Sinne entstanden ihre «Ambiente atmosferici», in denen Regen, Wind oder Nebel inszeniert werden. In der Installation ‹Volume of Air›, 1969, die für die Genfer Ausstellung neu geschaffen wurde, baute Grisi einen exakt kubischen Raum mit weiss gestrichenen Wänden und einer Neonbeleuchtung. Ein Versuch, das Unsichtbare (die Luft) sichtbar zu machen. In ‹Un Area di Nebbia›, 1968, einer Neoninstallation, die in einem separaten Raum präsentiert wird, spürt man intensiv die Dichte einer nebligen Atmosphäre. Und mit der minimalistischen Rauminstallation ‹Rainbow›, 1968, versuchte Grisi, alle Farben des Spektrums, welche die (farblose) Luft durchlässt, sichtbar zu machen.
Hinter diesem kraftvollen Œuvre mit seiner fast hypnotischen Wirkung steht ein sensibler, konzeptueller Geist und eine oftmals wissenschaftliche Sichtweise. Grisi hat einen sorgfältigen und präzisen künstlerischen Prozess entwickelt, der sich sowohl auf das unendlich Kleine (den Klang eines Wassertropfens, ein Sandkorn) als auch auf das grösste meteorologische Phänomen der Natur (ein Sandsturm) konzentriert. Heute wird sie zudem als Vertreterin der neuen Strömung «Ökofeminismus» angesehen.

Bis 
29.01.2023
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Laura Grisi 05.10.202229.01.2023 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Autor/innen
Ingrid Dubach-Lemainque
Künstler/innen
Laura Grisi

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