Copa & Sordes bei Guillaume Daeppen und Patrik Fröhlich

Copa & Sordes · Picknickkoffer Wittgenstein, 1999, Siebdruck auf Damast; Courtesy Galerie Guillaume Daeppen, Basel

Copa & Sordes · Picknickkoffer Wittgenstein, 1999, Siebdruck auf Damast; Courtesy Galerie Guillaume Daeppen, Basel

Besprechung

Was man gemeinhin das Betriebssystem Kunst nennt, ist nicht nur Resultat erhöhter Reflexion und Selbstreflexion von Kunst, wie sie an die institutionelle Kunsttheorie gekoppelt ist. Ja, vielleicht sind (Selbst-)Reflexion und institutionelle Kritik nicht sosehr der Grund, auf dem sich das «Betriebssystem» erhebt, sondern lediglich ihr Effekt. Von dieser Warte aus wären (Selbst-)Reflexion und Kritik vor allem ein Symptom einer erhöhten Professionalisierung dessen, was man künstlerische Tätigkeit nennt.

Copa & Sordes bei Guillaume Daeppen und Patrik Fröhlich

Kritischer Jargon kehrt heute vermehrt als Fetisch im oder als Werk wieder. Der Diskurs ist aufs wiedererkennbare Logo herabgemindert und sichert lediglich noch den Tauschwert der Kunst, die als Träger von Logos dient. Statt beim Fluss des Denkens zu stehen, stakst die Gemeinde nun – mal heiter, mal melancholisch – in den Pfützen der Einfälle.

Nun kann man die Arbeit der beiden Basler Künstler Birgit Krueger (*1967) und Eric Schmutz (*1962), die als Copa & Sordes firmieren, in diesem Kontext verorten. Ein breites Spektrum «aktueller» Topoi der Gegenwartskunst wie Mode, alltägliche Praktiken (wie Kochen und Essen), Sampling, ortspezifische Interventionen (vom Dorfleben bis zum Brauchtum) und anderes mehr findet sich in ihren Projekten – gleichsam im flächendeckenden Vorgehen. Die Künstler nennen diese Bereiche in schick-ironischer Anlehnung an wirtschaftlichen Jargon «Profit-Center». Schon das Pseudonym – die latinisierten Nachnamen der Künstler – funktioniert als «Label», als Wiedererkennungsmarke für ein bestimmtes Produkt. Klarstes Zeichen der Wiedererkennbarkeit sind bei Copa & Sordes die auf Damast gemalten oder mit Laserprint fixierten Girlandenmuster barocker oder klassizistischer Textilienkultur, die sie allerdings bald mit Objekten aus der unmittelbaren Gegenwart anreichern, bald mit Sätzen versehen wie «Male designers receive/credit for their work – Female designers usually/remained anonymous» oder «Existieren bedeutet wahrgenommen zu werden». Ganz eindeutig ist das Formelhafte in der Arbeit von Copa & Sordes nicht Zufall, sondern Programm. Leider gibt es wenige Arbeiten, die nicht lediglich Epiphänomene einer professionalisierten Künstlerpraxis sind, sondern Breschen ins «Getriebe» Kunst schlagen, wie etwa das Video «Leere Ästhetik»: Ein üppiges Stilleben, Hintergrundgeräusche und Insekten, wechselnde Lichtverhältnisse und wandernde Schatten. Da sieht man, es gibt sie: eine andere Zeitdimension jenseits von Betriebsamkeit.


Bis 
24.09.1999

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