Daniel Pflumm in der Galerie Neu

Daniel Pflumm · ohne Titel, 1999, Leuchtkasten, Ed. 2/3; Courtesy Galerie NEU, Berlin

Daniel Pflumm · ohne Titel, 1999, Leuchtkasten, Ed. 2/3; Courtesy Galerie NEU, Berlin

Besprechung

Mit einer Ausstellung des Video- und Leuchtkastenkünstlers Daniel Pflumm eröffnet die Berliner Galerie Neu jetzt ihre neuen Räume in Berlin-Mitte. Konsequent mutiert der junge Künstler in dieser Präsentation zum Werbedesigner und betont so die Allianz von Kunst und dem (profitablen) Geschäft mit ihr.

Daniel Pflumm in der Galerie Neu

Das waren noch Zeiten, als Daniel Pflumms Videos in dem von ihm selbst geführten, legendären (Techno-)Club «Panasonic» im «vorhauptstadtlichen» Berlin-Mitte zu sehen waren. Der Club machte zu, aber ein Rest seines Mythos lebte fort in der INIT-Bar, nun geführt unter Regie der ihn vertretenden Galerie Neu. Gleichzeitig nahmen Daniel Pflumms Ausstellungen zu, Preise, wie der vom deutschen BDI wurden gewonnen und Pflumm «avancierte» endgültig zum Künstler – ein Stück «Off-Szene» wurde einmal mehr erfolgreich in den Kunstbetrieb integriert. Doch macht dieses «Einkassieren» bei Daniel Pflumm durchaus Sinn und wird von ihm konzeptionell genutzt, denn der junge Berliner thematisiert in seiner künstlerischen Arbeit – beispielsweise mit seinen stilistisch ent- und gewendeten ESSO- oder AT&T-Logos – immer wieder die Schnittstelle von Kunst und Konsum, die Reibungsfläche von ästhetischer Autonomie und Geschäft. Das Werk als Teil des Marktes und gleichzeitig als Kritik an diesem – genau diese Gratwanderung macht seine Kunst interessant. Jetzt eröffnet die Galerie Neu mit jüngsten Arbeiten von Daniel Pflumm ihre neuen Räume, zwei ehemalige Pferdeställe der Charité in der Philippstrasse 13. Schon während der Umbauphase wies ein vom Künstler gestaltetes überdimensionales Bauschild auf die Neueröffnung hin, nun hängen speziell gestylte Leuchtkästen mit neuen rot-weissen Neu-Logos aussen am Gebäude.

Der Künstler tritt also eindeutig als Werbedesigner für «seine» Galerie in Aktion, lässt sich von dieser instrumentalisieren und bewahrt sich eben dadurch seinen gestalterischen und einen den Betrieb reflektierenden Freiraum. Subversion? Eher nicht! Sicher aber handelt es sich hier um eine so lustvolle wie erkenntnisträchtige Strategie der «Kunst als Praxis» (M. de Certeau), die den Betrieb konsequent hin auf sein emanzipatorisches Potential befragt. Die Antwort bleibt cool und offen.

Im Inneren der Galerie ist dann – fast schon zu folgerichtig gedacht – ein «Galerie-Werbespot» von Pflumm zu sehen. Vor allem verfremdete Bilder aus dem Werbefernsehen flimmern da über den Bildschirm: Spots für Zahnbürsten, Schokolade oder Waschmittel beispielsweise wurden flugs mit dem neuen Neu-Logo versehen und so ihrer ursprünglichen Markenidentität tendenziell entledigt. Und plötzlich tanzen da die beiden Galeristen selbstbewusst zu popiger Technomusik, während im Hintergrund ein Flugzeug den gefilmten white cube durchfliegt. Kunst-Jet-Set, Dance-Club und consumer culture werden hier so im schicken wie kritischen Schulterschluss präsentiert. Passend dazu das vom Künstler entworfene Poster. Last not least werden neue Leuchtkästen gezeigt, beispielsweise ein horizontaler, blau-weisser, der das Corporate Design einer grossen deutschen Versicherung verwendet. Da kann ja nichts mehr schiefgehen.


Bis 
30.09.1999
Institutionen Land Ort
Galerie Neu Deutschland Berlin
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Daniel Pflumm 01.09.199901.10.1999 Ausstellung
Künstler/innen
Daniel Pflumm
Autor/innen
Raimar Stange

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