Volker Wevers in Räume für neue Kunst Rolf Hengesbach

Volker Wevers · Top; Courtesy Räume für neue Kunst Rolf Hengesbach, Wuppertal

Volker Wevers · Top; Courtesy Räume für neue Kunst Rolf Hengesbach, Wuppertal

Besprechung

Ein Teil jüngerer Tafelbildmalerei sei eine Fortsetzung der neuen Medien mit Pinsel und Farbe, meinte 1995 der Kunsthistoriker Stefan Germer. Diese These lässt sich an der Bildproduktion des Berliner Malers Volker Wevers (*1960) bekräftigen.

Volker Wevers in Räume für neue Kunst Rolf Hengesbach

Alle Vorentscheidungen sind getroffen, wenn Wevers die Leinwand aufspannt. Die Komposition hat er aus der Hand entworfen, dann in einen Rechner eingegeben und austariert. Mit dem Computerausdruck geht er ins Atelier, überträgt die Skizze auf Leinwand, justiert die kompositorischen Gewichte und beginnt den Entwurf auszuführen. Dieses kontrollierte Vorgehen hebt selbst Arbeitsspuren in den Status konstruierter Zeichen: authentisch simuliert.

Trotz des konzeptuellen Verfahrens lässt sich der Malakt nicht an Assistenten delegieren. Die Gliederung der Arbeitsschritte dient zur jeweiligen Überprüfung des bereits Getanen, deren fortlaufende Übertragung in ein anderes Medium die ursprüngliche Bildidee abstrahiert. Dadurch entleert sich das Endbild unter den Augen des Malers von dessen Befindlichkeiten, folgt einer eigenen Logik und wird – wenn es gelingt – ein Gebilde, das sich auf den Maler nicht mehr zurückspiegeln lässt: reine Malerei.

«Beisst der Hai zu, ist er blind» nannte Wevers ein Werk von 1995. So lexikalisch knapp der Satz, so prägnant das Gebilde. Die Titel spielen auf Ereignissplitter an: «Weniger Spielraum», «Watch Out», «Die Zeit des Monologes ist vorbei». Aber, was die Titel ansprechen, findet in den Bildern kein Pendant. Es sind solitäre Sehobjekte. Auch bei neueren Arbeiten sind Sprache und Bild parallele Welten. Sie berühren sich nicht. Die Titel sind willkürlich. Sie dienen als Anreisser und Assoziationsköder. Zur Bildbedeutung tragen sie nichts bei. Die abstrakten Figuren sind bestechend klar, die Farben satt, die Linien wie mit dem Rasiermesser geschnitten. Oft dynamisieren zwei oder drei Malweisen die Komposition. Motivische Anspielungen auf Natur sind nur durch den Filter neuerer Medien vorstellbar: Landschaft als Fernsehbild, als Computerausdruck, als Zoom aus dem Flugzeug. Entsprechend wirken die Farben künstlich und fremd. Und tritt man ihnen zu nah, ziehen sich die Moleküle zusammen. Die Bilder scheinen knapp am Gefrierpunkt. Und was sie evozieren, ähnelt der aseptischen Welt der Radarschirme, Hochgeschwindigkeitsrechner, Satellitenbilder, ohne sie abzubilden.

Die Illusionsfläche «Tafelbild» funktioniert ziemlich ungebrochen, wenn ihr genügend Raum gegeben wird. Die Galerie zeigt in allen drei Räumen einen Überblick aus jüngstvergangener Zeit. In einer Mappe liegt eine Reihe von Zeichnungen. Und es ist fast tröstlich zu sehen, dass diese Malmaschine lyrisch entspannte, freischwebend leichte Zeichnungen zustande bringt, die nicht weniger bezeugen, dass dieser Berliner Maler von Anfang an das Lokalkolorit des Expressiven, Sozialkritischen, Popkulturellen hinter sich liess.


Bis 
12.11.1999
Institutionen Land Ort
Hengesbach Gallery Deutschland Wuppertal
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Volker Wevers 19.09.199920.11.1999 Ausstellung
Autor/innen
Peter Herbstreuth
Künstler/innen
Volker Wevers

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