Mario Sala in der Galerie E. und O. Friedrich

Mario Sala · Frisör, 2000, Öl, Klebemasse, Digiprint auf Blech; Courtesy Galerie Friedrich, Bern

Mario Sala · Frisör, 2000, Öl, Klebemasse, Digiprint auf Blech; Courtesy Galerie Friedrich, Bern

Besprechung

Der Text der Ausstellungseinladung lässt es vermuten, Mario Salas Kunst dient kaum der Selbstvergewisserung. Vielmehr lebt sie von Paradoxien. Sie provoziert Vermutungen, Staunen und Irrwege. Sie entführt das Denken über das sinnlich Fassbare in ein offenes Geflecht gedanklicher Bezüge. Und sie spielt mit der prozesshaften Unabschliessbarkeit jedes interpretatorischen Verfahrens, in das Künstler, Werk und Betrachtende gleichermassen involviert sind.

Mario Sala in der Galerie E. und O. Friedrich

In der Ausstellung treffen – sinnbildlich – ein Frisörladen, eine Konditorei und ein Blumenladen aufeinander. Konkret haben wir es unter anderem mit drei Texttafeln, mit Bildern und Objekten zu tun, mit durchlöchertem Karton, Farbe, die wie klebrige Zuckermasse auf Tablaren liegt, mit einer Autotüre und verzerrt spiegelndem Alublech. Die Inszenierung wirkt skizzenhaft, das dramaturgische Setting folgt einer Logik des Zerstreuens und provoziert so vielfältige visuelle und inhaltliche Bezüge, die durch die textlichen Anspielungen, etwa auf den erpresserischen Frisör, den Auto zerlegenden Konditor oder auf einen schwarzen Haifisch leicht ins Bedrohliche abdriften können. Eigene Phantasien und Erfahrungen mischen sich ein, bilden mit den von Mario Sala wie Köder ausgelegten Zeichen kurzfristige Allianzen, aus denen heraus sich das Werk – gedanklich – weiterschreibt. Diese offen angelegte Struktur erweist sich insofern als werkkonstituierend, als sie genauso bestimmend für die Entstehung wie die Rezeption der Arbeiten von Mario Sala ist.Ausgangspunkt für seine Arbeit ist meist ein alltägliches Moment – ein Gespräch, ein Duft, ein Fernsehbild, eine Erinnerung, ein Gefühl –, dem eine leise Irritation innewohnt. Sie ist Voraussetzung dafür, dass der bildlicher Erzählfluss in Gang kommt und dass dieser eine Eigendynamik entwickelt, bei welcher der Künstler genauso Akteur wie Zuschauer ist. Eine Dynamik, die sich unmittelbar auf die Betrachtenden überträgt, sie in einen unwiderstehlichen Sog zieht, und dabei das wahrnehmende Bewusstsein geradezu in einen interpretatorischen Taumel versetzt. In einen solchen Schwindel versetzt auch diese Ausstellung, bei der das neugierige Auge immer mehr atmosphärisch aufgeladene Bezüge, Ungereimtheiten, und Anspielungen entdeckt, welche im Vertrauten etwas latent Unheimliches, etwas Verwirrendes aufscheinen lassen. Etwa in einem Farbhäufchen, das sowohl Törtchen wie Einschusspur sein kann. Oder in der sich zusehend verdichtenden Erfahrung, in ein Werk involviert zu sein, das die Frage nach dem Status der Autorschaft und damit auch nach dem Selbstverständnis des Subjektes so radikal wie humorvoll stellt.


Bis 
13.10.2000
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Mario Sala 08.09.200014.10.2000 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Autor/innen
Elisabeth Gerber
Künstler/innen
Mario Sala

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