Urs Frei in der Galerie Hauser & Wirth & Presenhuber

Besprechung

Seit jeher situiert sich Urs Freis Werk im Spannungsfeld zwischen Malerei und Skulptur. Die neuesten Arbeiten geben auf den ersten Blick vor, nach einem langen Weg nun bei der Malerei angelangt zu sein. Als installative Wandarbeit präsentiert, verschränken die Arbeiten auf Papier jedoch sowohl malerische als auch räumliche Interessen.

Urs Frei in der Galerie Hauser & Wirth & Presenhuber

Allerspätestens seit dem Auftritt an der vorletzten Biennale in Venedig und der letztjährigen Einzelausstellung in der Wiener Secession ist Urs Freis Werk einem breiteren Publikum auch ausserhalb der Schweiz vertraut. Konzentrierte sich das Werk des «Restenverwerters» Frei früher vor allem auf poetische Assemblagen ausgesprochen banaler Materialien, so eröffnen die in der Galerie gezeigten unterschiedlichen Arbeiten der letzten zwei Jahre einen grösseren Überblick. Immer noch reizen etwa die zusammengeschnürten, von der Decke herunterhängenden bemalten Tücher die Gattungsgrenzen aus, indem sie einerseits räumliche Malerei sind, andererseits skulpturale Objekthaftigkeit evozieren. Es muss und kann dabei aber nicht beantwortet werden, ob nun die Skulptur als Träger der Malerei, der reinen Materialität beraubt, in ihrem Eigenwert eingeschränkt wird, oder ob umgekehrt die Malerei erst die Skulptur hervorbringt und legitimiert. Diese Übergangszonen und ebenso die subversiv gebastelte Erscheinungsform etwa der genagelten und ausgesägten farbigen Holzreliefe thematisieren auf spielerische Art und Weise die Beständigkeit eines äusserst labilen Gleichgewichts. In der gross angelegten, im Zentrum der Ausstellung präsentierten Fotoinstallation, die sich über zwei Wände der Galerie zieht, ist eben dieser Aspekt Programm. Hunderte von Fotografien zeigen Einblicke in das Atelier des Künstlers und weisen dabei einen äusserst hybriden Charakter zwischen zeitlosem Dokument und verwackeltem Schnappschuss auf. Die Grenzen verwischen, ähnlich wie auf den Fotos nicht unterschieden werden kann, ob es sich um eine fertige Arbeit, ein Produkt, um Abfall oder den Arbeitsprozess als solchen handelt. Die neuesten Arbeiten auf Papier hingegen, als Wandinstallation additiv angeordnet, scheinen nun wie die kleinformatigen Malereien auf Leinwand ein rein malerisches, ornamentales Interesse zu verfolgen. Stark farbige Kontraste von Figur und Grund und die Serialität der gestischen Formeln bringen dabei eine ausgeprägte Räumlichkeit hervor. Gekoppelt mit der installativen, unprätentiösen Hängung, die hier und da einen dicken Nagel zum Vorschein bringt, wird eine Objekthaftigkeit der Werkreihe suggeriert, die Urs Freis Arbeit wiederum in einem Spiel inmitten der gattungsfreien Sphäre aufgehen lässt.


Bis 
20.10.2000
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Urs Frei 26.08.200021.10.2000 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Urs Frei
Autor/innen
Philipp Kaiser

Werbung