«Take over» im Waldhaus Flims

Ladina Gaudenz · Lucy in the Sky, Öl auf Leinwand, 2002. 95 x 500 cm, Courtesy Galerie Luciano Fasciati, Chur

Ladina Gaudenz · Lucy in the Sky, Öl auf Leinwand, 2002. 95 x 500 cm, Courtesy Galerie Luciano Fasciati, Chur

Besprechung

In Hallen und Salons und auch im weitläufigen Garten der Park Hotels Waldhaus Flims begegnet diesen Sommer kulturelle Tradition den Arbeiten von vier jungen KünstlerInnen: Kurt Caviezel, Walter Derungs, Ladina Gaudenz und Monika von Aarburg.

«Take over» im Waldhaus Flims

Markus Rischgasser hat unter dem Namen «Take over» eine Ausstellung kuratiert, die sich mit verschiedenen Medien auf die Szenerie eines der weitläufigsten Parkhotels der Schweiz einlässt. Fast alle Arbeiten sind explizit für diese Ausstellung entstanden.

Nicht ohne Mühe entziffert der Besucher aus den acht hellgrünen, immer kleiner werdenden Holzskulpturen vor dem Hoteleingang das «APPARAIT» von Ladina Gaudenz – vielleicht gedacht als Auftakt zu den nachfolgenden weiteren «Erscheinungen». Gaudenz fesselt auch in der Eingangshalle die Aufmerksamkeit des Gastes. Am fünf Meter breiten Querformat «Lucy in the Sky», Öl auf Leinwand, kann man nicht nur so vorübergehen. Farblich nimmt es das Rosarot und Hellblau von Spannteppich und Säulendekor auf, inhaltlich weckt die Arbeit die Fantasie des Betrachters. Man erkennt einzelne Kühe, und hinter einem diffusen Schleier von grauem Nebel teilen sich Tempo und Bewegung mit. Statisch ist einzig der Blick der gehörnten mächtigen Tiere.

Monika von Aarburg nimmt sich der Topographie der Umgebung präzise an. Mit schwarzem Klebstreifen zeichnet sie die Höhenkurven der Umgebung auf die breite Fensterfront im Frühstückssaal. Der Blick aus dem Fenster auf die Landschaft mit dem prächtigen Panorama des Flimserstein wird so zur handgreiflichen Ansicht einer natürlichen Landkarte. Auch der rote Punkt – «Ihr Standort» – ist nicht vergessen. In die verträumte, kuschelige Hotelbar hat die Künstlerin vier Wintersportler hereingeholt. Eine elegante Winterschönheit, ein helm- und skibrillenbewehrtes Kind, ein total eingepackter Skifahrerkopf und das Antlitz eines dunkelhäutigen Skistars schauen farbig in grossem Format aus ihrer kühlen Umgebung ins gemütliche, blau-plüschige Interieur der Bar. Als farbige Fotografien auf Aluminium bringen die vier Porträts etwas Lebendiges in den Raum, besonders wenn gerade keine Gäste die Bar bevölkern.

Man schreitet weiter in die nächste Aufenthaltshalle und steht vor dem bekannten «Flimser Panorama» von Giovanni Giacometti. Genau gegenüber, durch einen Bogen abgetrennt, hat Walter Derungs ebenfalls ein Flimser Panorama geschaffen. Fotografiert mit der Camera Obscura hat seine Arbeit eine ähnlich diffuse Unschärfe wie das gegenüber hängende Ölbild. Auch Derungs hat ein Triptychon geschaffen, er hat gleiche Bildausschnitte und ähnliche Wolkenformationen gewählt und in einer so ganz und gar anderen Technik ein verblüffendes Pendant an die Wand gezaubert.

Kurt Caviezel, Manor-Kunstpreisträger 2002, bedient sich einmal mehr des Internet. Aus der fotografierten Bilderfülle, die sich ihm dort in unendlicher Folge anbietet, trifft er gezielt die Wahl. Zwanzigmal hat Caviezel den immer gleichen Bildausschnitt zu einer wanddeckenden Installation zusammengefügt. Die immer gleiche Ansicht des einzelnen Bildes – Nagens ob Flims – ist eher banal und keineswegs spektakulär. Einzig die Jahreszeit wechselt unmerklich vom tiefen Winter zum ersten Frühling, der die Beschädigung der Natur durch die Anlage der Skipisten offenbart. Die Wirkung der Arbeit liegt in der Repetition annähernd gleicher Bildsequenzen. Ihre Hängung macht sie zu einem dekorativen Wandbild.
Bis 13.10.

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