Julio Le Parc bei Daros Exhibitions

Julio Le Parc · Lumière en vibration, Installation, 1968, Holz, Metall, Tüll, Licht u.a., Tüllwand: 250 x 390 x 350 cm, Apparatur: 65 x 50 x 50 cm, Foto: Julio Le Parc, © ProLitteris, Zürich

Julio Le Parc · Lumière en vibration, Installation, 1968, Holz, Metall, Tüll, Licht u.a., Tüllwand: 250 x 390 x 350 cm, Apparatur: 65 x 50 x 50 cm, Foto: Julio Le Parc, © ProLitteris, Zürich

Besprechung

Der fast vergessene Lichtkünstler Julio Le Parc verwandelt den grossen Saal im Erdgeschoss der Daros Exhibitions in eine laborähnliche Szenerie, die das Ambiente eines Science-Fiction-Films aus den dreissiger Jahren evoziert.

Julio Le Parc bei Daros Exhibitions

Beim Betreten des verdunkelten Saals stellen sich anfänglich Orientierungsschwierigkeiten ein. Hier eine pulsierende Glühbirne, die grösser und greller wird und wieder verglüht, da schleierartige, quallenartige Wesen, die irrlichternd den Wänden entlang kriechen, dort eine verspiegelte Box, die durch verschiedene Lichtquellen einen labyrinthischen Effekt erzeugt. Beim Anblick des rotierenden Konterfeis des Künstlers könnte man geradezu glauben, Julio Le Parc grinse uns aus dem Innern einer Waschmaschine beim Spülgang entgegen. Zu diesen sich unaufhörlich bewegenden Installationen aus vibrierendem Licht und Schatten knallt und rumpelt es von überall her, untermalt vom steten Summen der Diaprojektoren.

Geboren 1928 in Mendoza, übersiedelte Julio Le Parc als Dreissigjähriger mit einem Stipendium in der Tasche nach Paris, nachdem er jahrelang an der Kunstakademie in Buenos Aires studiert, sich mit Gelegenheitsjobs durchgebracht und aktiv an der Studentenbewegung teilgenommen hatte. Von der Pariser Kunstszene - mit dem vorherrschenden Informel und der lyrischen Abstraktion - ist er bald enttäuscht. Als politisch Bewegter und anarchischer Geist kann er mit dem «unbeweglichen, einzigartigen, definitiven, unersetzbaren Kunstwerk» nichts anfangen, insofern als er solche Kunst als anachronistisch empfindet. So begann er sich über eine lebendige Kunst Gedanken zu machen, die dynamisch, unbegrenzt und für alle verständlich sein sollte. Das Terrain war ganz und gar nicht unbearbeitet: Schon Laszlo Moholy-Nagy hatte in den zwanziger Jahren die Wirkung des Lichts bei der Darstellung von Bewegung untersucht und seinen «Licht-Raum-Modulator» geschaffen. Wladimir Tatlin, Naum Gabo und Alexander Rodtschenko konstruierten konstruktivistische Maschinen. Wenige Jahre später bastelten Marcel Duchamp und Man Ray an kinetischen Licht- und Bewegungsobjekten. Geradezu populär wurde die optische und kinetische Kunst in den sechziger Jahren. Auch Le Parc gründete im Jahre 1960 zusammen mit François Morellet, Horacio Garcia-Rossi, Francisco Sobrino, Joel Stein und Jean-Pierre Vasarely die Künstlergruppe GRAV (Groupe de Recherche d´Art Visuel). Es entstehen erste Lichtarbeiten. Le Parc erfindet - wohl nicht unbeeinflusst von Alexander Calders Mobiles - geometrische Formen, die er nach einem vorbestimmten Programm in Bewegung setzt. In der Ausstellung bei Daros Exhibitions begegnen wir einer wahren visuellen und akustischen Erlebnislandschaft, die uns vereinnahmt. Nicht nur, dass die Mobiles, Installationen, Projektionen und Skulpturen mit Flimmer- und Stroboskop-Effekten, veränderbaren Reliefs, Lamellenstrukturen (zum Teil aus Tüll) und mit den Spiegelsystemen stetig den Raum verändern; ihre flüchtigen Erscheinungen lassen über das Ephemere unserer Wirklichkeit und unseres Lebens philosophieren. Die Ausstellung ist von einer zauberhaften Poesie; sie wirkt auch ausnehmend frisch, wohl weil eine Reihe von Installationselementen, so das Labyrinth und «Sol instable», in Zusammenarbeit mit dem Künstler neu rekonstruiert worden sind. Katalog in Vorbereitung.

Bis 
08.10.2005
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Julio Le Parc

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