Jun Yang in der Galerie Annex 14

Jung Yang · Learn the local language, aus der Serie «x-guide», 2004

Jung Yang · Learn the local language, aus der Serie «x-guide», 2004

Besprechung

Wie funktioniert kulturelle Identität? Jun Yang, 1975 in China geboren, kam 1979 nach Österreich, in Wien eröffneten die Eltern ein China-Restaurant. Aufgewachsen zwischen dem Mikrokosmos eines Lokals, in dem es chinesischer zuging als in China, und einer von US-Kultur geprägten westlichen Aussenwelt, entwickelte Jun Yang einen scharfen, oft spöttischen Blick auf Rituale kultureller Anpassung.

Jun Yang in der Galerie Annex 14

Die Welt der Medien mit ihren Kunst- und Kultfiguren erscheint bei Jun Yang gleichwertig neben der realen Lebenswelt mit ihren ethnisch geprägten Alltagsritualen. In der Zweikanal-Videoarbeit «HERO - this is WE», 2005, greift Jun Yang die in den Massenmedien mythologisch gewordene Figur des Sportidols auf. Ein Kanal zeigt Menschenmengen in Sportstadien - die anonyme Masse, Hintergrund und Nährboden des Individuums, das seinerseits Sinnstifter der Vielen werden kann. Jun Yang verweist auf diese soziale Funktion des Spitzensportlers, indem er den Einsatz von Flaggen beobachtet. Allerdings erscheinen die Fahnen oft ihrer Farben beraubt als neutrale Flächen, wodurch die Verbindung zwischen Individuum und Staat und Gesellschaft als Zufall deklariert wird. Der zweite Bildkanal fokussiert den Einzelnen in der Heldengestalt des Spitzensportlers - und die fast parodistischen Wechselfälle im identitätsstiftenden Austausch zwischen Einzelnem und Menge. So ist mit Yao Ming ein Chinese zu sehen, der in der US Nationalliga
Basketball spielt und dank seiner Leistungen in dieser uramerikanischen Sportart zum Idol der US-Chinesen wurde.

Mit feinem Hintersinn arbeiten auch die visuell stark reduzierten Piktogramme, mit denen Jun Yang Anpassungsleistungen von Migranten untersucht und ironisiert. Auf der Ebene des Dargestellten lesen sich die von Kurztiteln flankierten Piktogramme als Karikaturen auf jene schematischen Kürzestanweisungen zur Orientierung auf fremdem Terrain, sei dies nun geografischer oder soziokultureller Art. Jun Yang hat diese Symbolbilder bereits 2002 in der Neonarbeit «chopsticks/how to eat that?» aufgegriffen, für die er die Benutzungsanleitung auf Essstäbchen zum Vorbild genommen hat. Die neue Serie «x-guide», 2004, geht weiter, indem sie vorgibt, zwischenmenschliches Verhalten mithilfe von Symbolen, die wie Wegweiser zum Taxistand oder zum WC aussehen lehren zu können. Ein Piktogramm, ein übersprachliches Symbol, «learn the local language» zu nennen, kommt einem Kalauer gleich. Hinter den heute allgegenwärtigen Piktogrammen, verbirgt sich jedoch mehr, als der Wunsch nach unkomplizierter, internationaler Verständigung, wie sie ihr Erfinder Otto Neurath 1936 im Sinn hatte. Das Bild als Schrift ist nicht Erfindung des 20. Jahrhunderts, vielmehr Urform nahezu aller frühen Schriften. Auch die chinesischen und japanischen Schriftzeichen basieren auf derartigen Bildsymbolen. Westliche Moderne nähert sich östlichem Erbe in einer Art Endlosschleife.

Bis 
21.10.2005
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
annex14 Schweiz Zürich
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Jun Yang

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