Lex Vögtli im ausstellungsraum 25

Lex Vögtli · Und Bäume wie in Farbe getauchte Pinsel, 2004, Öl und Acryl auf MDF-beschichteten Wabenkarton, 130 x 207 x 3 cm

Lex Vögtli · Und Bäume wie in Farbe getauchte Pinsel, 2004, Öl und Acryl auf MDF-beschichteten Wabenkarton, 130 x 207 x 3 cm

Besprechung

Wer sich die Arbeiten von Lex Vögtli vornimmt, denkt umgehend an eine Renaissance der Pop Art und des Surrealismus. Das kommt wohl davon, dass ihre Kunst das Auge verleiten oder irritieren soll. Dabei verwendet sie uralte Strategien, die aber auch in der Werbung nach wie vor funktionieren.

Lex Vögtli im ausstellungsraum 25

Ein grünes Etwas mit einigen orangen Flecken ist zeitlos und verführt, egal ob es sich um reife Aprikosen oder einige «Sugus» handelt. Die Künstlerin spricht in diesem Zusammenhang von archaischen Sehnsüchten. Was ihre Arbeiten mit dem Surrealismus gemeinsam haben, sind die Formen und Begriffe, die sich unversehens emanzipieren und ein Eigenleben entwickeln: Wolken, die zu drapierten Tüchern werden, oder Felsformationen - ein Bildzitat aus einem Gemälde von Andrea Mantegna -, die plötzlich den Kontext wechseln. Die Bilder und Installationen sind einerseits ganz frisch, andererseits auch in der Vergangenheit verwurzelt. Dabei erweist sich das gleichzeitige Flirren von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Vorteil, weil es zu einem höchst anspruchsvollen Konglomerat verschiedener Stile und damit verbundener Gefühlswelten führt. Damit schafft sie es, lange Assoziationsstränge zu entwickeln, die zu einem dichten Bildgefüge verwoben sind. Gegenstände werden dabei ins Bildzentrum gerückt, die vor-
her eine nebensächliche Rolle spielten: das Hasenskelett befindet sich klein, aber detailgetreu wiedergegeben im Zentrum von «Und Bäume wie in Farbe getauchte Pinsel» - ein Herbstbild mit einem rüschenhaften dunkelbraunen Element, das kaum erahnen lässt, dass es vom Pilzhut einer Morchel abgeleitet wurde.

So können ihre Arbeiten unversehens zu einer Landschaft oder zu einem Stillleben werden. Und während des Verwandlungsprozesses verfremden sich die einzelnen Elemente dergestalt, dass sie ganz unterschiedliche Assoziationen wecken. Die farbigen Kreise mutieren von verfärbten
Tennisbällen über Ostereier bis zu überreifen Früchten. Diese parallele Verwendung unterschiedlicher Bildsprachen verankert die Arbeiten von Lex Vögtli im Jetzt, denn so war Malerei weder bei Mantegna noch bei Poussin möglich.

Im ausstellungsraum 25 zeigt Lex Vögtli Arbeiten aus ganz unterschiedlichen Zeiten, neben Malerei und Installation auch Video und Fotografien. Ihre Kunst will nicht in erster Linie irritieren, sondern es geht vielmehr darum, eine künstlerische Sprache zu finden, die auf mehreren Bedeutungsebenen lesbar ist und zeitlich bedingte Phänomene des Alltags und der Kunstgeschichte aufgreift und umsetzt. So hat sie sich eine authentische Ausdrucksform geschaffen, die verlockt und verführt, neugierig macht und inspiriert, und damit zeitlos ist.

Bis 
14.10.2005
Autor/innen
Simon Baur
Künstler/innen
Lex Vögtli

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