Dan Flavin im Musée d´art moderne de la ville de Paris

Dan Falvin · links: A primary picture, 1964, rechts: Pink out of a corner
(to Jasper Johns), 1963, Ausstellungsansicht, Paris, Foto: texte&tendenzen, © ProLitteris Zürich

Dan Falvin · links: A primary picture, 1964, rechts: Pink out of a corner
(to Jasper Johns), 1963, Ausstellungsansicht, Paris, Foto: texte&tendenzen, © ProLitteris Zürich

Hinweis

Dan Flavin im Musée d´art moderne de la ville de Paris

37 Jahre lang gab es keine Retrospektive des Minimalismus-Mitgründers. In Paris zelebriert nun, zehn Jahre nach Flavins Tod, ein Rundgang durch Licht- und Farbwelten die sonst als Einzelwerke in Museen vibrierenden Neonröhren.

«Meine Ikonen erheben nicht den gesegneten Heiland in kunstvolle Kathedralen. Es sind konstruierte Konzentrationen, die öde Räume zelebrieren.» - Dan Flavin glaubte an das pure Bild, das «ist, was es ist». In diesem Glauben entstanden Werke, die das Spirituelle vorführen, ohne es zu verehren. Flavin arbeitete mit dem Medium des Geistigen, inszenierte auratische Diesseitigkeit - und schuf Amerikas Antwort auf Adornos «Minima Moralia».
Von Duchamp bis Warhol hat man an der Aura des Alltäglichen gearbeitet. Flavin knüpft hier an. Auch wenn er das Material hinter das Licht zurücktreten lassen will - Flavins Neonröhren bleiben moderne Skulpturen, gewinnen eine Ikonografie des Geistigen aus Industrie-Standards. Die scheidende Direktorin Suzanne Pagé hat mit der Ausstellung von rund 50 Neon-Arbeiten und 60 Zeichnungen etwas vollendet, was sie noch mit dem Künstler zusammen begonnen hatte. Sie trifft auch auf einen Licht-Trend: Das ZKM zeigt «Lichtkunst aus Kunstlicht», James Turrell, Ehrenbürger von Paris, ist mit einer permanenten Installation auf der Fassade der Caisse des dépôts et consignations präsent, aktuell wird François Morellet im Musée des Beaux-Arts, Angers gezeigt (bis 12.11.).

Auf den Weg gebracht von der New Yorker Dia Art Foundation trifft die Ausstellung nach der Hayward Gallery in London in Paris auf eine ideale Architektur für Flavins Licht-Farb-Räume. Beginnend mit den «Ikonen», über die Flavin 1961 von der Malerei zum Licht fand, markiert «The diagonal of May, 25, 1963 (to Constantin Brancusi)» den Anfang mit Neonröhren. Es folgen grosse weisse Arbeiten wie «monument for V. Tatlin», 1964?1981, dann installative Werke, die den Besucher mit verschiedenen Weisstönungen des Lichts einhüllen. Die Widmungen in den Titeln stellen Sinnbezüge her. Das intensive Rot des «monument 4 for those who have been killed in ambush (to P.K. who reminded me about death)» von 1966 wird so zum Antikriegs-Statement.

Flavins Minimalismus ist einer mit Moral, bleibt nicht bei der ästhetischen Erfahrung des Lichts stehen. Dass er bisweilen an die Religiosität Barnett Newmans oder die Spiritualität Rothkos erinnert, ist unvermeidlich, wenn auch nach Flavins eigenen Worten ungewollt: Licht ist nun einmal das Medium, das uns dem Geistigen am nächsten bringt ? und sei es nur minimal.

Bis 
07.10.2006

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