Daniela Keiser im Kunstmuseum

Daniela Keiser · Über Nacht II, 2007, Foto: Jörg Müller, Courtesy Galerie Stampa

Daniela Keiser · Über Nacht II, 2007, Foto: Jörg Müller, Courtesy Galerie Stampa

Besprechung

«Land Logo Löwe» - die Alliteration im Ausstellungstitel wirkt wie ein Hinweis auf die innere Verbundenheit des weit gefächerten Themenspektrums des reichen Werks der Zürcher Künstlerin Daniela Keiser

Daniela Keiser im Kunstmuseum

Im Dreiklang des Titels erklingt ein Ordnung stiftendes Moment. Die poetische Taxonomie erinnert an die von Michel Foucault mit Verweis auf Jorge Luis Borges zitierte chinesische Enzyklopädie, welche Tiere in ein System einfügt wie «Tiere, die dem Kaiser gehören», «einbalsamierte Tiere» bis hin zu solchen, «die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind». Wie Erkenntnis orientierte und ihre Ästhetik fast beiläufig gewinnende Anordnungen fügen sich die Installationen, Objekte und Fotografien in die verschiedenen Terrains der Feldforschung von Daniela Keiser (*1963). Die Kohärenz wird evident in der Präsentation in Solothurn, wo frühere Arbeiten - «Demets Augenblicke», 1999/2000, oder «Le Strade di Palumbo», 2001 - mit eigens für die Ausstellung geschaffenen Werken kommunizieren.
Man betritt den ersten Raum wie ein Glasharfenspiel: Eine Kristalllandschaft aus unzähligen auf dem Boden aneinandergereihten Gläsern breitet sich in filigraner Wucherung als ringförmig verschlungenes Feld aus. Das exakt abgezirkelte Arrangement scheint dem verborgenen Bauplan einer städtischen Architektur zu folgen, geheimnisvoll «Über Nacht» - so der Titel - entstanden wie die vermeintlich extraterrestrischen südenglischen Kornkreise. Illuminiert wird die akribisch strukturierte und archivarisch gewachsene Topografie von einer erhöhten Neonlichtebene, die dem Besucher das Gefühl vermittelt, mit dem Kopf gegen das Himmelszelt zu stossen und von einer Schwindel erregenden Höhe hinunter auf diese verzauberte Weltlandschaft zu blicken. Im angrenzenden Raum wirken in «Residenz 1-12», 2006, weiss schimmernde Abgüsse aus Alabastergips von unterschiedlichen Materialien wie Bodenproben urgeschichtlicher Fundorte. Das Auge assoziiert Modellnachbildungen kontinentaler Plattenverschiebung, Gesteinseinschlüsse oder Zellverbände. Um die Entkoppelung der Wahrnehmung von wieder erkennbaren Fakten geht es auch in den Fotografien von Daniela Keiser, beispielsweise in «Donat Lima Ohio», 2001: Die siebzehn Ansichten von Gebirgslandschaften mit Schnee und Wasser, aufgenommen auf verschiedenen Kontinenten, lassen sich nicht geografisch zuordnen, an die Stelle des Erinnerungswertes tritt die rein visuelle Erscheinungsweise von Flächen, Erhebungen und Tonalität. In «Lampe», 2006, evozieren dick von Efeusträngen überwucherte Strassenlaternen eine hundertjährige Stimmigkeit. Dieses Drehmoment - die Inversion von Alltäglichem in Unbekanntes - ist einer der Schlüssel zu den Arbeiten von Daniela Keiser, die über eine Vielzahl von Aus- und Eingängen verfügt. Zur Ausstellung erscheint bei Edition Fink ein umfassender Katalog.

Bis 
20.10.2007
Autor/innen
Isabel Friedli
Künstler/innen
Daniela Keiser

Werbung