«The Third Mind» im Palais de Tokyo

Sarah Lucas · Car Park, 1997, Installationsansicht im Museum Ludwig, Köln, 1997, Courtesy Sadie Coles HQ, London, © Sarah Lucas

Sarah Lucas · Car Park, 1997, Installationsansicht im Museum Ludwig, Köln, 1997, Courtesy Sadie Coles HQ, London, © Sarah Lucas

Hinweis

«The Third Mind» im Palais de Tokyo

Kann ein Kunstwerk arrogant sein? Spätestens seit Ugo Rondinones ebenso prätenziöser wie belangloser Installation in San Staë auf der diesjährigen Venedig-Biennale wissen wir: Es kann. Der Auftritt war Gipfelpunkt einer Reihe von Ausstellungen, die Zweifel an der Sorgfalt des 43-Jährigen aufkommen liessen. Freilich ist das seiner künstlerischen Position inhärent: Ugo Rondinone ist Nihilist. Das Nichts fasziniert ihn, aus seinem Kraftfeld schöpft er sein vielgestaltiges Werk. Das führt bisweilen zu ironischen Arbeiten mit anthrazitfarbenem Humor, wie in den «Window-Paintings», die man bei Almine Rech sehen konnte (vgl. KB 9/2006). Auf den Hintergrund der Arbeiten befragt, antwortete er damals: «Ich weiss nicht, ich war im Urlaub, spazierte durch die Strassen, die Ansichten gefielen mir sehr gut und da dachte ich, dass es schön wäre, eine Serie mit Bildern davon zu machen.» Das ist dünn. Dicker kann man es jetzt im Palais de Tokyo haben. Mit der von ihm kuratierten Ausstellung «The Third Mind» solle man, so Rondinone, «die Sphären des menschlichen Bewusstseins verlassen» und in jedem Werk «die gesamte menschliche Art» repräsentiert sehen. Ein Konzept mit dicken Backen für die gesamten 4000 Quadratmeter des Palais. Mit Bezug auf Beckett schliesst Rondinone: «Wir sind da und unsere Leben haben grundsätzlich keinen Sinn.» Diese Aussage im Kopf, kann man sich auf spannende und durchaus sinnvolle Arbeiten der Künstler einlassen, die Rondinone zusammengestellt hat. «The Third Mind» referiert auf ein Buch, das Beatnik William S. Burroughs und der Künstler Brion Gysin gemeinsam realisiert haben. Es enthält «Cut ups», Collagen von Bildern und Textfragmenten nach der Rechnung 1+1=3: aus zwei Werken werden, addiert, drei. In diesem Sinne ist die gesamte Ausstellung zu sehen, die von Josh Smiths Namensgemälden über Sarah Lucas engagierte Installationen, Cady Nolands anthropologische Fotografien, Sue Williams Körperzeichnungen, Verne Dawsons scheinbar naive Gemälde, Vija Celmins Sternenbilder, Urs Fischers Transformationen des Alltäglichen und Jean-Frédéric Schnyders Kitschbilder bis zu Werken von Andy Warhol und Karen Kilimnik reicht. Insgesamt 31 Künstler, darunter einige echte Entdeckungen wie die erwähnte Kooperation von Burroughs/Gysin. Aus dieser Mischung von Kitsch, Geometrie, Poesie, Ironie und Sozialanthropologie kann man die Matrix von Rondinones Werk ablesen. Oder auch nichts: Dann ist es einfach eine Anregung für den ästhetischen Sinn.

Bis 
02.01.2008

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