«Tout Contre» in La Générale

Jana Sterbak · House Of Pain: A Relationship, 1987

Jana Sterbak · House Of Pain: A Relationship, 1987

Hinweis

«Tout Contre» in La Générale

Die Generäle kämpften einen langen und zähen Kampf. Eine Hand voll Künstler hat aus «La Générale», einem der zahlreichen besetzten Häuser in Paris, einen anspruchsvollen Ausstellungsort gemacht. Das Gebäude gehört der Stadt, ein psychiatrisches Krankenhaus soll dort entstehen. Der Kampf ging bis hinauf zum Kulturminister. Jetzt ist er beendet - vorläufig. Das Kulturministerium bot Ausweichräume an. In Sèvres, weit vor den Toren der Stadt. So schön die altindustriellen, denkmalgeschützten Anlagen der Porzellanmanufaktur auch sein mögen: Einige Künstler wollen sich darauf nicht einlassen. In Sèvres fehle die Sichtbarkeit, man verliere die Position, die man sich im aufstrebenden Osten der Stadt erarbeitet habe. Nun veranstalten jene, die den Umzug akzeptiert haben, in Sèvres eine erste Ausstellung. Mit beziehungsreichem Titel: «Tout Contre». 1998 wählte ihn das Dijoner Kuratorenteam «Le Consortium» für eine viel beachtete Ausstellung im Centre Pompidou, die sich kritisch zur zunehmenden Marketing-Logik der Ausstellungshäuser stellte. Nach fast 10 Jahren hat der Kunstmarkt immer grösseren Einfluss auf das, was als wertvoll gilt - und spaltet das Kunstfeld. «Heute stellt sich gar nicht mehr die Frage, ob öffentliche oder private Gelder Kunst finanzieren oder auf welche Weise Kunst entsteht. Heute gibt es nur noch eine Front: Die verläuft zwischen gesehen werden/nicht gesehen werden, berühmt/unbekannt, in/out», sagt Daphné LeSergent, Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung. Mit der Haltung «ganz dagegen» wolle man sich nicht einfach dem mächtigen Trend versperren, sondern aufmerksam machen auf das, was er verdeckt. Auf die fragilen Bedingungen der Produktion von Kunst. Wenn man «ganz dagegen» sei, so fährt sie fort, sei man auch «ganz nah»: am Leben des Künstlers, an den Widersprüchen zwischen Kunstproduktion und deren Vermarktung. Die Ausstellung versammelt 21 Künstler (darunter Judith Baudinet, Stéphane Belzère, Katrin Gattinger, Julien Prévieux, Jana Sterbak), um das Publikum für die Realität des Kunst-Machens zu sensibilisieren. Diese besteht aus Zweifeln, aus Fragen, aus Nebenjobs, aus Kämpfen - und nur manchmal aus spektakulären Auktionspreisen. Eine Diskussionsreihe wird das Thema «Lebensrealität der Kunst» vertiefen. Sei es «Pro» oder «Contra»: «In der Kunst kommt das Wort ENDE niemals», wie «Consortium»-Mitglied Eric Troncy 1998 sagte. Es erscheint ein Katalog in französischer Sprache.

Bis 
13.11.2007

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