Beat Zoderer

Beat Zoderer · Flicken-Pavillon Nr.1/08, 2008, Acryllack auf Alublech, 440 x 770 x 580 cm, Temporäre Installation, Haus Konstruktiv.?Foto: Heinz Unger

Beat Zoderer · Flicken-Pavillon Nr.1/08, 2008, Acryllack auf Alublech, 440 x 770 x 580 cm, Temporäre Installation, Haus Konstruktiv.?Foto: Heinz Unger

Besprechung

Nicht dass Beat Zoderer im eigenen Land verkannt wäre. Doch im Vergleich zu Deutschland wird er in der Schweiz eindeutig zu wenig beachtet. Dieses Manko hat nun das Haus Konstruktiv aufgehoben, indem es dem Künstler die erste grosse Retrospektive mit Arbeiten von 1984 bis heute widmet.

Beat Zoderer

«New Tools for Old Attitudes»

Bereits der Eingang in den grossen Ausstellungssaal im Erdgeschoss ist durch einen «Flicken-Pavillon», ein riesiges, transparentes, verzogenes Kugelgehäuse aus knallfarbig besprayten, dünnen Metallplatten verstellt. Das Gebilde erinnert an eine Konstruktion zwischen einem Iglu und einem Luftballon und fungiert gewissermassen als Visitenkarte für Zoderers Arbeitsweise. Weit davon entfernt, sich an die von den Exponenten der Konkreten Kunst gepriesene «Materialechtheit» zu halten, verwendet er Strumpf- und Verpackungsbänder, Bürozubehör, Wellkarton, Wollfäden oder gar Baulatten. Zoderer demontiert die funktionalen Zusammenhänge der Gegenstände und fügt sie neu zusammen, indem er sie in eine geometrische Systematik überführt. So gestaltet er Flechten aus farbigem Fotokarton oder Klebebändern, montiert Blechstreifen auf Leinwand, schafft Multiples aus Schleifen oder eine Amphore aus Wabenkarton. Bald bändigt er einen Wellkarton zu einer einzigen Linie innerhalb eines Bilderrahmens oder elastische Miederbänder zu horizonal-vertikalen Streifen auf Leinwand, bald fügt er horizontale und vertikale Strukturen derart dicht übereinander, dass op-artige Effekte erzielt werden.
Dabei entsteht eine völlig ungewohnte, luftig-fantasievolle Spielart konkreter Kunst. Denn weder kann, noch will sich Beat Zoderer (*1955 in Zürich) in die Riege der Väter dieser Kunstrichtung einreihen, gehören doch Systemfehler zu seinen beliebten künstlerischen Strategien und er schwärmt für Flickenteppiche, «bunte Monochromien» und für die Demokratie des Materials.
Schon seit seinen künstlerischen Anfängen mit einem «Billig Bill», 1984, hintertrieb er mit Lust die Strenge und Rationalität der Konkreten. Vieles geschieht im Moment, mitunter schleicht sich Anekdotisches ein. Eine geistreiche Weiterführung bietet das Flachrelief «Transparente Ordnung», 1991, das aus drei bunten, ineinander geschobenen Sichtmäppchen besteht und wohl an Richard Paul Lohse erinnert, aber auch an Marc Rothko oder Barnett Newman. Damit eröffnet er neue Wahrnehmungsräume, die allerdings in ihrer kunsthistorischen Rezeption zweideutig bleiben. Doch gerade das interessiert ihn, denn, wie er nachdrücklich sagt, will er täuschen und enttäuschen und «mit seinen Arbeiten unterschiedliche Bezüge ermöglichen»

Bis 
25.10.2008

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