David Renggli, «Im Dunkeln sieht man die Licht»

David Renggli · Im Dunkeln sieht man die Licht, Ausstellungsansicht (Karin de Bour, Kelly Tippsmann). Foto: Dominique Uldry

David Renggli · Im Dunkeln sieht man die Licht, Ausstellungsansicht (Karin de Bour, Kelly Tippsmann). Foto: Dominique Uldry

Besprechung

David Renggli stellt Bilder und Installationen her, die zunächst auf bekannte Positionen zu rekurrieren scheinen, bei näherer Betrachtung jedoch irritieren. Nun hat er eine Accrochage inszeniert, die von unerwarteten Gegenüberstellungen lebt und ins Absurde kippt.

David Renggli, «Im Dunkeln sieht man die Licht»

Die Innenräume des Fri'Art sind zurzeit umgestaltet. Eine kleine, steile Holztreppe erschliesst einen engen, langen Gang, während der gewohnte seitliche Aufgang verbarrikadiert ist. Ein Maschendrahtzaun liegt partiell geknickt am Boden und fächert den ersten Ausstellungsraum auf. Er versammelt kleinformatige, abstrakte Gemälde in den gestisch und pastos aufgetragenen Farben Rot, Blau, Schwarz und Braun. Etwas ratlos steht man vor der Reproduktion eines roten, verbogenen Rades mit angedeutetem, zusammengelegtem Fahrgestell in der Manier von Marcel Duchamp. An der Wand hängt eine von drei Kopien des «Schwarzen Quadrats».
Spätestens beim Anblick von David Rengglis (*1974) mannigfachen Reproduktionen von van Goghs «Fünfzehn Sonnenblumen in einer Vase», 1889, dämmert es dem Besucher, dass auch sämtliche anderen Werke von ihm selbst stammen - und er wohl auch hinter dem Kurator namens Alexander Liesman steckt. Die Ausstellung mit dem grammatikalisch abenteuerlichen Titel «Im Dunkeln sieht man die Licht» hat der eigenwillige Zürcher Künstler als Accrochage mit unbekannten Namen wie Otto Mennings, Karin de Bourg, Reto Klumbvus und Kelly Tippsman inszeniert. Die Texte zu den erfundenen Künstlern lesen sich weitgehend als unzugängliches kunsthistorisches Gefasel - von Kunstbetrachtung scheint er nicht viel zu halten. Dass er im Ausstellungstitel fälschlicherweise das weibliche Genus für Licht verwendet, erweist sich als Strategie. Denn mit seiner Verschleierungstaktik will uns Renggli zu einer unvoreingenommenen Wahrnehmung der Dinge zurückführen.
Die Werke muten stilistisch vertraut an, der akademische Ausstellungsrundgang wirkt auf den ersten Blick recht unaufgeregt. Erst beim näheren Hinsehen erkennen wir irritierende Ungereimtheiten: So wenn Renggli mit den schwarzen Quadraten der «Ikone der Moderne» Reverenz zu erweisen scheint, sie jedoch mittels Verwendung von verbranntem Kunststoff anstelle von Ölfarbe in eine nüchterne Gegenwart und gleichzeitig ins Unvertraute, Absurde kippen lässt. Dies gilt auch für die Reproduktionen der berühmten Sonnenblumen, die auf eine Comiczeichnung von Spy vs. Spy treffen. Mittels dieser surrealen Gegenüberstellungen werden Bedeutungszusammenhänge aufgerissen und in der Schwebe gehalten, die wir neu herzustellen angehalten sind.

Bis 
17.10.2009

Werbung