Eric Hattan, «Into the White»

Eric Hattan · Into the white, Carte Blanche für Eric Hattan in der Sammlung des MAC/VAL, 2009, oben: Installation mit leeren Transportkisten; unten: v.l.n.r. Eric Hattan: Cinéma, Kleiderständer; Carole Benzaken, By Night III, 2003; Peter Klasen, Rappel 60, 1980; Kimsooja, Bottari truck, Migrateurs, Auto. © ProLitteris, Zürich. Fotos: Jacques Faujour

Eric Hattan · Into the white, Carte Blanche für Eric Hattan in der Sammlung des MAC/VAL, 2009, oben: Installation mit leeren Transportkisten; unten: v.l.n.r. Eric Hattan: Cinéma, Kleiderständer; Carole Benzaken, By Night III, 2003; Peter Klasen, Rappel 60, 1980; Kimsooja, Bottari truck, Migrateurs, Auto. © ProLitteris, Zürich. Fotos: Jacques Faujour

Besprechung

Das 2005 eröffnete Museum MAC/VAL in der Pariser Banlieue beschränkte sich bisher vor allem aufs Promoten nationaler Grössen wie Claude Lévêque, Jacques Monory oder Alain Bublex. Jetzt zeigt es mit Eric Hattan die bessere Force de l'art. Unter dem Blick von aussen glänzt das Eigene neu und anders.

Eric Hattan, «Into the White»

Am Ende bleibt nichts als ein Foto, ein Bericht, Reste. Die von Sean Penn 2007 verfilmte Reportage «Into the Wild» erzählt, wie die frustrierte Zivilisationsflucht Christopher McCandless' als Reise durch dessen Seelenlandschaft im Desaster endet. Eric Hattan (*1955), vom Vorort-Museum MAC/VAL mit einer Carte Blanche zur Intervention in der Sammlung eingeladen, flieht «into the white», in die Weisse der Museumswände. Bisweilen zu evident, bisweilen mit poetischer Kombinationsgabe stellt Hattan, der zwischen Basel und Paris pendelt, seine meist aus Reisen gewonnenen Arbeiten in die aktuell unter dem Titel «Ich komme wieder» neu gehängte Sammlung.
Deren Stärke, oft untypische Arbeiten, wie der titelgebende Siebdruck von Tatiana Trouvé, «sans titre (Je reviendrai)», 2003, oder das kleine Relief «Caraïbe» von Hervé Télémaque, 1993, stellt Hattan mit seinen eigenen Arbeiten heraus. Die prekäre, unsichere Reise führt über «By night III», 2003, von Carole Benzaken - ein grosses Gemälde mit Autorücklichtern - zu Hattans mit Stoff bezogenen, Beuys'schen Badewannen, «eau chaude (sitzen, stehen, liegen)», 1995. Zusammen mit Sarkis in diesem Kontext starkem «le bateau Kriegsschatz», 1982-2005, werden sie zu passend wackligen Vehikeln im imaginären Ensemble der Ausstellung. Nach und nach wird deutlich, dass die Reise durch die Bilder zu jenem Gegenstand führt, der, wie Beckett schrieb, «vor unseren Augen unsichtbar wird, sozusagen der hellste und schönste». In einem von Hattans Videos wird die Sicht aus einem fahrenden Auto zunehmend von Schneegestöber geblendet. «Into the White» lautet auch dessen Titel. Was erscheint, ist Ergebnis unseres Bemühens, etwas zu sehen. Statt Reiseromantik ein Sisyphos-Weg, bei dem es aufs Machen ankommt. «Il faut continuer», 1993, steht am Ende des Parcours auf einer Leiter mit drei Eimern. In zweien sind Löcher, im untersten Wasser. Der Besucher darf Umfüllen. Hattan bietet entlang der Bilder eine Reise ins Imaginäre, ins Erinnern. Nicht ohne Ironie: In dem mit Silvia Bächli realisierten Video «Snowhau im Schnee», 2005, fährt ein Schneemann auf einem Schlitten den Hang hinab. Die zum Scheitern verurteilte Rutschpartie steht als Prolog am Eingang der Schau. Mit seinem Gast ist dem MAC/VAL vor den Toren der Stadt die bessere «Force de l'art» gelungen. Scheitert die Repräsentationsschau im Grand Palais am politischen Zeigedrang, gelingt es hier, im Blick von ausserhalb des französischen Betriebs, die Perlen der Sammlung und auch die Werke Hattans glänzen zu lassen.

Bis 
31.10.2009
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
MAC/VAL Frankreich Paris
Künstler/innen
Eric Hattan
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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