«Spuren der Sonne»

Hinweis

«Spuren der Sonne»

Es gibt Orte, die werden ihre subtile Grausamkeit nie los, auch wenn das, was den Grusel einst verursacht hat, schon längst abgeräumt wurde. Solch ein Ort ist das ehemalige Militärgelände der Bundeswehr, mitten im Wald von Montabaur. Die Munitionsbunker aus dem Kalten Krieg unterlagen bis in die 90er Jahre strengster Geheimhaltung. Seit vergangenem Jahr werden die sieben Bunker für ambitionierte Kunstprojekte genutzt. Die aktuelle von Oliver Zybok kuratierte Ausstellung hat der in Berlin lebende Künstler Markus Selg als eine theatralische Gesamtschau über Industrie, Krieg und Glaube konzipiert. Im Mittelpunkt dieser «apokalyptischen Oper» steht der Film «Lektionen über Finsternis» von Werner Herzog, der 1992 in den brennenden Ölfeldern in Irak entstand. Die Bilder zeigen ein gigantisches Ausmass an kriegerischer und industrieller Zerstörung. Herzog operiert mit dokumentarischem Material, das er aber wie eine archaische Erzählung entrollt. Dagegen wirken die Arbeiten von Jannis Kounellis kühl und kontrolliert - fast wie die Reflexion dessen, was Natur und ihre technische Umformung für den Menschen bedeutet. Selgs eigene Arbeiten ergänzen die beiden Positionen um eine religiöse Interpretation, die er als Rückzugsnische sowie als begehbaren Bühnenentwurf realisierte, womit er zwei Gesten des Glaubens aufgreift: befriedende Verinnerlichung wie schrille dramatische Inszenierung.

Bis 
24.10.2009
Künstler/innen
Markus Selg
Autor/innen
Grit Weber

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