Bianca Brunner

Bianca Brunner · Scenery 2, 2008, Silbergelatine Print, 15 x 20 cm

Bianca Brunner · Scenery 2, 2008, Silbergelatine Print, 15 x 20 cm

Bianca Brunner · Tent, 2009, aus der Serie Uninhabitable Objects, Silbergelatine Print, 30 x 40 cm

Bianca Brunner · Tent, 2009, aus der Serie Uninhabitable Objects, Silbergelatine Print, 30 x 40 cm

Besprechung

Bianca Brunner, Manor-Preisträgerin 2010, zeigt im Bündner Kunstmuseum Chur ihre erste Einzelausstellung in einer bezeichnenden Weise: Im Hauptsaal sind im Innern einer Box, in einem «Raum im Raum», alle Arbeiten zu sehen, eng gehängt und von bestechender Eindringlichkeit.

Bianca Brunner

Bianca Brunner (*1974, Chur) fotografiert nicht das, was sie im ersten Moment sieht. Sie lässt sich inspirieren durch das täglich Geschaute, sammelt Ideen, mitunter auch Gegenstände. Daraus konstruiert sie ihre Fotomotive. Das klingt einfach, ist aber das Resultat eines langen Weges.
Die in Zürich und London ausgebildete Fotografin verwendet keine Digitalkamera. Brunner arbeitet analog, macht sorgfältige Handabzüge. Sie wartet auf passendes Licht, arbeitet ohne Blitz und Kunstlicht, manipuliert nicht am Computer, gestaltet ihre Arbeiten, bevor sie die Kamera bedient. Eine spätere Bearbeitung ihrer Bilder gibt es nicht. Ausführliches Beobachten, langwieriges Planen und schliesslich geschickter Aufbau des Motivs gehen dem Entstehen ihrer Bilder voraus. Der eigentliche kreative Prozess findet vor dem Fotografieren statt.
Wir sehen Fotografien, ohne jedoch eindeutig definieren zu können, was da eigentlich abgebildet ist. Auch die Masse des Abgebildeten bleiben im Dunkeln. Brunner inszeniert Geschichten, baut Realitäten. Sie arbeitet dabei präzise, langsam, gründlich. Abbild und Konstrukt, Authentizität und Fiktion bilden ein schillerndes Gleichgewicht. Das Rätsel des Geschauten bleibt, die Irritation ist Absicht.
Was beispielweise in «Sky», 2008, wie eine Naturaufnahme daherkommt, ist gestellt, verfremdet durch einen Eingriff, der erst bei intensivem Betrachten als solcher erkannt wird. Zwei- und Dreidimensionalität vermischen sich. Eigentlich «flache» Fotografie wird räumlich. In «Tent», 2009, aus der Serie «Uninhabitable Objects», liegt scheinbar exakten architektonischen Situationen ein ebenso fantastischer wie geheimnisvoller Aufbau zugrunde. In einzelnen Werken lässt sie die Spuren stehen und steigert damit die Bedeutung des eigentlichen Bildmotivs. «Harlequin», 2010, ist ein aus Einkaufstaschen sorgfältig gebautes Rautenmuster in schimmerndem Schwarz-Weiss in haptischer Qualität. Zu einer farbigen Serie wurde sie durch den Anblick von Öllachen auf nassem Asphalt inspiriert. Brunner stellte das Szenarium selbst her und fotografierte dieses. Das Resultat dieser Verwandlung einer banalen Erscheinung sind irisierende Bilder von kunstvoller Schönheit. Aussergewöhnlich ist dabei, dass man in jedem Bild eine ausgeklügelte Inszenierung der Künstlerin vor sich hat, der man so leicht nicht auf die Spur kommt. Das wäre auch schade.

Bis 
20.11.2010

Mit Katalog.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Bianca Brunner 08.10.201021.11.2010 Ausstellung Chur
Schweiz
CH
Künstler/innen
Bianca Brunner
Autor/innen
Gisela Kuoni

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