Lutz & Guggisberg — Eine prekäre Form von Ordnung

Lutz & Guggisberg · The Forest, 2013, Ausstellungsansichten Mudam Luxemburg ©ProLitteris.
Fotos: Rémi Villaggi

Lutz & Guggisberg · The Forest, 2013, Ausstellungsansichten Mudam Luxemburg ©ProLitteris.
Fotos: Rémi Villaggi

Besprechung

Ein Waldstück inmitten von Banktürmen - hintergründig und abgründig zugleich. Im Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean (Mudam) Luxemburg verschieben die beiden Zürcher Andres Lutz und Anders Guggisberg mal wieder sehr gekonnt die Deutungshoheiten.

Lutz & Guggisberg — Eine prekäre Form von Ordnung

Es ist fast fünfzehn Jahre her, als vor den Toren Luxemburgs der Grundstein für das Mudam gelegt wurde. Damals lag das künftige Museum für moderne Kunst noch auf der grünen Wiese. Inzwischen ist es eingebettet in eine dichte Agglomeration von Bürotürmen. Wenn man hier noch eine natürliche Ordnung der Dinge ausmachen will, dann folgt sie der Logik unsichtbarer Geld- und Warenströme. Deshalb haben die Schweizer Andres Lutz und Anders Guggisberg kurzerhand den Wald ins Museum geholt. Ihre Ausstellung ‹The Forest› ist wie eine Art begehbares Diorama angelegt, verweigert sich aber jeglicher naturalistischen Reinszenierung von Fauna und Flora von Grund auf. Stattdessen folgt man der Fährte einiger Ikebana-Ameisen, die an jene ‹Brut› aus verkohltem Holz erinnern, die Lutz und Guggisberg vor sechs Jahren durch den Kunstverein Freiburg marschieren liessen. Eine ausladende Assemblage aus Dachlatten und trockenen Ästen schwebt ohne Stamm und Wurzelwerk im Raum. Klobige Bodenskulpturen zeigen Öffnungen, in denen man nachtaktive Höhlenbewohner vermutet. Zu dieser ‹Herde› gesellen sich die ‹Drei Fühler›, 2011, als suchten sie nach verdächtigen Bewegungen im Unterholz.
Um die Ecke hängen an einer grünen Wand drei grossformatige Fotografien aus der Serie ‹Loch im Spiegel›, 2011, aber weder der Taucher noch der blutrot gefärbte Hirsch werden darin in ihrem angestammten Habitat gezeigt. Sie wirken wie Fremdkörper in dieser Umgebung. Nicht besser ergeht es dem Höhlenforscher im gleichnamigen Video von 2012, der in voller Montur und im Schein der Stirnlampe durch Akten, Schuber und sonstige Archivalien robbt.
Dieser Wald ist finster, aber nicht düster. Er ist anarchisch in seinem Wildwuchs, aber er hebelt ebenso punktgenau die überlieferten Deutungshoheiten aus. Fast schon aufgeräumt erscheint da der kleine Abfallhaufen, der als ‹Landschaft› hinter einer Glasscheibe aufgetürmt ist. Von dieser prekären Form der Ordnung handelt auch das Video-Triptychon ‹Galaxy Evolution Melody›, 2012. Wie die Künstler darin ihre Arbeit als scheinbar evolutionären Prozess schildern, wirkt unglaublich spielerisch und leicht - so, wie die gesamte Schau. Dabei ist die Ausgangslage bei jeder neuen Arbeit und jeder Ausstellung weitaus schwieriger: Wenn alles kontingent ist, aber nichts dem Zufall überlassen wird, kann es auch schnell mal schief gehen. In der Kunst sowieso. Nicht aber bei Andres Lutz und Anders Guggisberg.

Bis 
18.01.2014
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Thea Djordjadze, Lutz/Guggisberg 06.07.201319.01.2014 Ausstellung Luxembourg
Luxemburg
LU
Autor/innen
Ralf Christofori
Künstler/innen
Lutz/Guggisberg

Werbung