‹Trait papier›

Robert Currie · Installationsansicht Trait papier, 2013, Centre d'art contemporain Yverdon.
Foto: Karine Tissot

Robert Currie · Installationsansicht Trait papier, 2013, Centre d'art contemporain Yverdon.
Foto: Karine Tissot

Manon Bellet (rechts), Swann Thommen und Maude Schneider (links) · Ausstellungsansicht Kunsthalle Palazzo Liestal, 2013. Foto: K. Tissot

Manon Bellet (rechts), Swann Thommen und Maude Schneider (links) · Ausstellungsansicht Kunsthalle Palazzo Liestal, 2013. Foto: K. Tissot

Hinweis

‹Trait papier›

Nach den Achtzigerjahren der Malerei und den Neunzigerjahren der Fotografie und des Videos scheint das anbrechende Jahrhundert sein Leitmedium in der mit einfachsten Mitteln operierenden Zeichnung gefunden zu haben. Sie wandert nicht mehr vom Atelier in das Kabinett, wie sich dies seit der Renaissance eingespielt hat, sondern steht plötzlich im Zentrum gewichtiger Ausstellungen und Publikationen, spezialisierter Kunstmessen und Zeitschriften.
Die Fortsetzung der letztes Jahr im Musée des beaux-arts in La Chaux-de-Fonds gezeigten Schau ‹Trait papier›, die jetzt an zwei Orten in der Schweiz zu sehen ist, ist jedoch nicht einfach der klassischen Zeichnung gewidmet. Strich und Papier werden in der vom Centre d'art contemporain Yverdon und von der Kunsthalle Palazzo Liestal ausgerichteten Doppelausstellung ‹Trait papier› vor allem als voneinander emanzipierte Eroberer des Raumes vorgestellt. Gewiss hat sich diese Praxis schon in den Sechziger- und Siebzigerjahren angebahnt, aber sich doch erst in der Produktion der damals geborenen Kunstschaffenden auf einer breiteren Ebene etabliert. Im Gegensatz zur letztjährigen Ausstellung, bei welcher nur die sammlungseigenen Werke eines Rätz und eines Morellet in diese Richtung wiesen, werden nun die beiden Präsentationen in den als Laboratorium funktionierenden Institutionen in Yverdon und Liestal exklusiv mit Arbeiten in situ dieser Generation bestückt. Wunderbar kommt an beiden Orten zum Ausdruck, dass Strich und Papier auch installativ nichts von ihrer frischen, mehr auf ein Vorschlagen als auf ein Befehlen gerichteten Geste verlieren - selbst wenn das Papier mit Feuer, bei Manon Bellet, der Schere, Andrea Mastrovito, oder dem Häcksler, Swann Thommen und Maude Schneider, bearbeitet wird, was natürlich einem sehr aggressiven, irreversiblen Strichziehen und Papierverwenden gleichkommt. Wie es die Direktorin des Centre d'art contemporain und Kuratorin der Schau, Karine Tissot, schön formuliert, bewegen sich Werke mit den Mitteln des Strichs und des Papiers «in 2½ Dimensionen», setzen nicht nur Linien und Flächen, sondern schaffen vor allem Leerräume dazwischen, die wir mit unserer eigenen Imagination füllen können. Am eindrücklichsten kommt dieser Aspekt vielleicht in einem Detail der komplexen Installation von Robert Currie in Yverdon zum Ausdruck: Der englische Künstler hat zwischen einem Pfeiler und drei Säulen des ehemaligen Kornspeichers mehrere Dutzend Magnetbänder übereinander gespannt, die sich im dritten der Segmente in einer halben Drehung um sich selbst in der Mitte kreuzen und sich so an dieser Stelle unserem Blick vollständig entziehen.

Bis 
19.10.2013
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Centre d’art contemporain Schweiz Yverdon-les-Bains
Kunsthalle Palazzo Schweiz Liestal
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Trait Papier II. Ein Essay zur Zeichnung d. Gegenwart 23.08.201320.10.2013 Ausstellung Liestal
Schweiz
CH
Trait Papier 17.08.201320.10.2013 Ausstellung Yverdon-les-Bains
Schweiz
CH

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