Russische und amerikanische Malerei vor 1900

Vassili Polenow · Der verbrannte Wald, 1881,
Öl auf Leinwand, 89,7x170 cm, Courtesy Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau

Vassili Polenow · Der verbrannte Wald, 1881,
Öl auf Leinwand, 89,7x170 cm, Courtesy Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau

Frederic Edwin Church · Morgen in den Tropen, gegen 1858, Öl auf Leinwand, 21x35,5 cm, Courtesy The Walters Art Museum, Baltimore

Frederic Edwin Church · Morgen in den Tropen, gegen 1858, Öl auf Leinwand, 21x35,5 cm, Courtesy The Walters Art Museum, Baltimore

Hinweis

Russische und amerikanische Malerei vor 1900

Die Schweiz ist ein Mekka der amerikanischen Kunst seit 1945 und auch bedeutende Epochen der russischen Kunst wie die Avantgarde sowie die Moskauer Konzeptualisten sind in verschiedenen Sammlungen gut vertreten und werden regelmässig ausgestellt. Hingegen sind wir kaum vertraut mit dem früheren Kunstschaffen dieser beiden Länder. Ein glücklicher Zufall ermöglicht jedoch nun in Lausanne einzigartige Einblicke sowohl in die russische wie auch die amerikanische Malerei des 19. Jahrhunderts. Die Fondation L'Hermitage zeigt unter dem Titel ‹Peindre l'Amérique› einen Querschnitt durch die Kunst der jungen Nation von 1830 bis 1900, während sich das Musée des Beaux-Arts in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Tretjakow-Galerie Moskau in ‹Magie du paysage russe› der 1863 mit patriotischen und demokratischen Zielen gegründeten Bewegung der Wandermaler widmet. Obschon die zwei Ausstellungen gleichermassen zum Sinnieren darüber einladen, wie diese Werke den Gang der betreffenden Nationen in die Moderne mitgestaltet haben, sind direkte Vergleiche schwierig.
Die Schau im MCBA, welche die russische Landschaft in ihre wichtigsten Gattungen (Wald, Meer, Gebirge, Weg, Stadt, Nacht, Jahreszeiten) auffächert, ist ein bewegendes und erlesenes Seherlebnis. Jeder Saal eröffnet nicht nur die Subtilität und Varietät der Gefühle und der Anliegen bei dieser ersten malerischen Erkundung des Landes immer wieder neu, das zwar expandiert, aber trotz der Aufhebung der Leibeigenschaft von einem brutalen Feudalismus gezeichnet bleibt. Sondern zeigt auch das sanfte, aber sichere Hinübergleiten vom Naturalismus in den Symbolismus.
Die chronologisch angelegte Schau in der Fondation Hermitage ufert dagegen motivisch und qualitativ aus. Dies liegt sicher an der grossen Bandbreite der amerikanischen Kunst vor 1900, die vorwiegend auf Autodidakten zurückgeht, aber nicht nur. So berührt der Pantheismus der frühen Schulen, die mit einer den Pinselstrich fast eliminierenden Genauigkeit die Natur feiern. Daneben nehmen Kuriositäten wie die kruden Trompe-l'Œil-Stillleben mit Äpfeln, Dollarnoten und Schiesstafeln viel Platz ein und auch Fotostrecken sind eingebaut. Hingegen sucht man vergeblich nach Spuren der Genies der puritanischen Malerei, nach Eakins und Homer, bei denen sich der visuelle Realismus mit psychosozialer Tiefenschürfung verbindet. Die Agenda dieser Künstler sei im Moment überfrachtet, ist aus der Fondation zu vernehmen, und man denke hier einmal an etwas Grösseres. Dies wäre tatsächlich eine wunderbare Fortsetzung dieser trotzdem achtbaren Auslotung der frühen amerikanischen Kunst.

Bis 
25.10.2014
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Peindre l'Amérique 27.06.201426.10.2014 Ausstellung Lausanne
Schweiz
CH

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