The world no longer exists - Morphologie des Weltendes

Oliver Laric · Untitled, 2014-2015, 4K-Video, Farbe, Ton, 5' 55'', Edition of 5 + 2 AP, Courtesy Tanya
Leighton, Berlin

Oliver Laric · Untitled, 2014-2015, 4K-Video, Farbe, Ton, 5' 55'', Edition of 5 + 2 AP, Courtesy Tanya
Leighton, Berlin

Mathis Altmann · Do Not Put In Toilet, 2015, Beton, Metal, Holz, Plastik, Glühbirne, Türspion, Miniaturen, Papier, 89x64x84  cm

Mathis Altmann · Do Not Put In Toilet, 2015, Beton, Metal, Holz, Plastik, Glühbirne, Türspion, Miniaturen, Papier, 89x64x84  cm

Besprechung

Die beschleunigte Zeit hat die Gegenwart fest im Griff. Doch ­wohin geht die rasante Reise? Dies ist die Frage der letzten ­Ausstellung der Kuratorin Christina Lehnert im Rappers­wiler Kurator-Förderprogramm. Mathis Altmann, Hannah Black, ­Oliver Laric, Vanessa Safavi und Jan Vorisek geben Antworten.

The world no longer exists - Morphologie des Weltendes

100% reichen heute oft nicht mehr aus. ‹120%› ist daher das Motto der aktuellen Ausstellungsreihe der Kurator-Stipendiantin, die nach den Perspektiven des Beschleunigungs- und Optimierungswahns fragt. Die Antworten der Schau ‹The world no longer exists› sind düster und zielen auf das fragile Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Sie prognostizieren gar eine Ära des Prekären und Posthumanen. Dabei schöpfen gleich mehrere Werke aus dem dystopischen Ideenfundus von Science Fiction, Cyberpunk und Manga.
Mathis Altmann baut Miniarchitekturen aus Beton, Plastik und einem Gewirr aus Kabeln und Röhren, in die er auch elektronische Bauteile und Miniaturfiguren integriert. Rückwärtiges und Untergründiges wird hier zu Cyber-Organismen mit technischen Eingeweiden aufbereitet. Transformationen zwischen Biologie und Technologie finden sich auch bei Oliver Laric, der Fragmente aus Mangafilmen kombiniert, in denen Menschen fliessend zu Tieren, zu Objekten oder Maschinen morphen. Diese Evolutionen sind äusserst dramatisch und teils schmerzhaft. Das Video von Hannah Black ist nicht weniger existenziell. Es zielt auf die Ambivalenz und ungleiche Verteilung von Bewegung und Stillstand im globalen Verkehr von Waren, Menschen und Information. Zwischen den ruhigen Fliess­bewegungen von Stoffen blitzen hektische Bilder globaler und körperlicher Kreisläufe auf. Daneben drapiert sie Flugzeugdecken zu ab­strakten Gemälden und zeigt damit, wie synthetisch der mobile Lifestyle dem Körper begegnet. Ebenfalls mit rezyklierten Objekten arbeitet Jan Vorisek. Er sammelt glänzende Metallobjekte, allerlei Plunder und Symbole und ordnet alles zu geheimnisvollen Konstellationen. Die Arrangements tragen zeremonielle Züge, die den Objekten eine symbolische Wertigkeit verleihen. Integrierte Lautsprecher bringen sie zum Schwingen. Die Arbeit lässt erahnen, wie sich Interpretationen von Materialien, Gegenständen und symbolischen Codierungen unter veränderten kulturellen Bedingungen, etwa in dystopischen Kontexten verschieben können. Wie fragil die Konstellation von Mensch und Technologie letztlich ist, zeigen die Installationen von Vanessa Safavi. Skeletthafte Strukturen aus Metallstangen werden von Gipsbandagen zusammengehalten. Was sonst zur Heilung gebrochener Knochen dient, stabilisiert hier das wankende Gerüst der Metallkreaturen. Daneben installiert sie Porzellantürklinken an türlosen Wänden. Dysfunktional und fragil bilden sie hier vielleicht eine Metapher für einen Ausweg in eine andere Zukunft.

Bis 
23.10.2016
Institutionen Land Ort
*Kurator, *Altefabrik Schweiz Rapperswil-Jona
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
M. Altmann, H. Black, O. Laric u.a. 10.09.201623.10.2016 Ausstellung Rapperswil-Jona
Schweiz
CH

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