Céleste Boursier-Mougenot - Ohren und Augen

Céleste Boursier-Mougenot · from here to ear v. 22, 2017, Ausstellungsansicht Centre d'art contemporain Yverdon ©ProLitteris. Foto: Claude Cortinovis

Céleste Boursier-Mougenot · from here to ear v. 22, 2017, Ausstellungsansicht Centre d'art contemporain Yverdon ©ProLitteris. Foto: Claude Cortinovis

Céleste Boursier-Mougenot · Temps suspendu, 8, 2017. R&art, Vercorin ©ProLitteris. Foto: Robert Hofer

Céleste Boursier-Mougenot · Temps suspendu, 8, 2017. R&art, Vercorin ©ProLitteris. Foto: Robert Hofer

Besprechung

Die Kuratorin Karine Tissot lässt den gefeierten Künstler ­Céleste Boursier-Mougenot in diesem Sommer gerade zwei Schau­plätze in situ bespielen. Seine Interventionen im Centre d'art contemporain in Yverdon und in den Gondeln von Vercorin versetzen Räume, Töne, Farben und Publikum in poetische Schwingungen.

Céleste Boursier-Mougenot - Ohren und Augen

Im CACY hat Boursier-Mougenat (*1961, Nizza) die 22. Version der sich seit 1995 entwickelnden Installation ‹from here to ear› aufgebaut. An den Decken der Halle unter dem Rathaus aus dem 18. Jahrhundert hängen Nistkörbe mit 88 Zebrafinken. Die Vögel finden in den Grasbüscheln, die in den mit Sand belegten Boden gesetzt wurden, Halme und Binsen, um ihre Stuben auszustatten. Es gibt Klangschalen mit Wasser und Körnern, die das Hüpfen der Vögel neben ihrem Singen, Schnattern und Trillern in ein weiches Rauschen und Zischen wie mit einem Jazzbesen auf einer Trommel verwandeln. Zudem sind in den Räumen elektrische Gitarren und Bässe verteilt. Immer wenn die Vögel die Saiten als Sitzgelegenheit benutzen lösen sie wunderbare Rock-, Funk- und Bluesklänge aus, die uns aus mächtigen Verstärkern direkt in Mark und Bein fahren.
Für die seit 2001 durchgeführte R&art Vercorin, die jeweils das ganze Walliser Bergdorf in eine Bühne für eine Installation verwandelt, hat Boursier-Mougenat das Werk ‹temps suspendu› geschaffen, das subtil die zwei Seilbahnen der Ortschaft besetzt. Der Künstler hat die Fenster der Gondeln mit Folien in Rot, Blau, Gelb und Grün verklebt, sodass im Innenraum der schwebenden Kabinen ein Farbklima entsteht, das für die Mitfahrer/innen auch in die draussen vorbeiziehende Landschaft ausläuft. Umgekehrt sind die Gondeln für die Wanderer im Aussenraum von weither als Aufzug leuchtender Farbtupfer zu erkennen.
Der in der Schweiz von der Galerie Xippas vertretene, aber sonst hierzulande noch kaum gezeigte Künstler war ursprünglich als Komponist im Bereich der Musik zu Hause, der abstraktesten aller Künste. Obschon die Installationen, mit denen sich Boursier-Mougenat heute vornehmlich beschäftigt, in der Regel etwas verschroben Anekdotisches haben, was sie zugänglich und mitteilsam macht, fühlen sie sich letztlich ganz und gar abstrakt an. «Die Vögel helfen mir, meine Vorstellungskraft zu übertreffen», spielt der Künstler auf diese nach wie vor essenziell kompositorische Dimension seiner Werke an. Dies gilt im Grunde nicht zuletzt auch für uns selbst, wenn wir seine sich in Raum und Zeit entfaltenden Installationen betreten und damit Teil des Ambientes werden. Ohne jede Belehrung und Unterweisung holen sie dabei das Beste aus uns heraus, Versenkung und Verzauberung.

Bis 
24.09.2017

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