Hans Krüsi, Gebhard Hafner und Emil Medardus Hagner

Emil Medardus Hagner · Mythologia Turicencis (linke Tafel des Triptychons), undatiert, Ölmalerei auf Holz, Courtesy Sue Jaisli

Emil Medardus Hagner · Mythologia Turicencis (linke Tafel des Triptychons), undatiert, Ölmalerei auf Holz, Courtesy Sue Jaisli

Hans Krüsi · Naife Kunst, Mischtechnik, 1982, Courtesy Kunstmuseum Thurgau

Hans Krüsi · Naife Kunst, Mischtechnik, 1982, Courtesy Kunstmuseum Thurgau

Hinweis

Hans Krüsi, Gebhard Hafner und Emil Medardus Hagner

Das waren noch Zeiten, als es noch echte Stadtoriginale in Zürich gab. Für uns Normalos lebten sie unsere latent wilden Seiten aus. Der in St. Gallen lebende Hans Krüsi (1920-1995) verkaufte an der Bahnhofstrasse Blumen und seine Zeichnungen im Postkartenformat. Emil Medardus Hagner (1921-1999) war als «Märchenmaler von Zürich» und Gebhard Hafner (1931-2003) als «Strassenwischer vom Bellevue» bekannt. Während Hans Krüsi an seinem ausgeschmückten Tornister und einem blumengeschmückten Hut zu erkennen war, trug Emil Medardus meist Efeublätter und Amethyste auf sich und Gebhard Hafner eine orange Arbeitsweste mit der Würde eines unbekannten Dichters. Hafner begann erst nach seiner Pensionierung zu malen. In der kurzen Zeit von nur drei Jahren schuf er eine grosse Anzahl an Werken. Er schrieb Gedichte und spielte leidenschaftlich gern Schach, was ihn zu seinen geometrischen, oft kaleidoskop­artigen Kompositionen inspiriert haben mag. Seine der konkreten Kunst verwandten und von einer energetisierenden Farbigkeit erfüllten Bilder stehen den fantastischen, von Fabelwesen bevölkerten Bildwelten des verträumten Emil Medardus Hagner gegenüber. Seine Sehnsucht nach fernen Ländern und Völkern lebte dieser in seinen Zeichnungen aus, denn reales Auswandern war ihm unheimlich. Die vom Solothurner Auswanderer Yule Kilcher gedrehten Filme über Alaska inspirierten ihn zum Comic ‹Huck geht nach Alaska›, 1966. Doch während Hagner unter seinem verkannten Künstler­dasein litt, erlangte Hans Krüsi für seine auf Bierdeckeln, Servietten und Packpapier festgehaltenen Szenerien von Kühen, Landschaften und Menschen einen beachtlichen Ruf. Die Motive sind oft in scherenschnittartiger Symmetrie oder serieller Wiederholung angeordnet. Mit den Ausstellungen in der Buchmann Galerie in St. Gallen und der Galerie Anton Meier in Genf Anfang der Achtzigerjahre wurde die Aufmerksamkeit vermehrt auf den Sonderling gelenkt. Mittlerweile hatte er so viel Erfolg, dass er von seiner Kunst leben konnte. Seine Selbstinszenierung als Künstler ging so weit, dass er seine Werke zuweilen mit «Hans Pygasso Krüsi» signierte. 1991 erschien die bisher einzige, bebilderte Werkmonografie. Als er im September 1995 an einem Lungenemphysem starb, war er ein reicher Mann. In der Ausstellung sind neben Werken seines dem Kunstmuseum Thurgau gewidmeten Nachlasses Leihgaben von privaten Besitzer/innen zu sehen, die mit persönlichen Geschichten und Erinnerungen in Textform ergänzt sind.

Bis 
23.12.2017

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