Anne-Lise Coste

Anne-Lise Coste · Roahhh (green, blue, red, yellow), 2018, Airbrush auf Leinwand, je 167 x 185 cm, Courtesy Lullin + Ferrari Zürich

Anne-Lise Coste · Roahhh (green, blue, red, yellow), 2018, Airbrush auf Leinwand, je 167 x 185 cm, Courtesy Lullin + Ferrari Zürich

Anne-Lise Coste · Nique ton père, 2018, Airbrush auf Leinwand, 167 x 185 cm, Courtesy Lullin + Ferrari Zürich

Anne-Lise Coste · Nique ton père, 2018, Airbrush auf Leinwand, 167 x 185 cm, Courtesy Lullin + Ferrari Zürich

Hinweis

Anne-Lise Coste

Zürich — ‹Houga houga›, ‹Roahhh› und ‹Ouh ouh ha ha› – was haben diese archaischen Laute mit der zweiten Einzelausstellung ‹La femme parfaite› von Anne-Lise Coste (*1973, Marseille) in der Galerie Lullin + Ferrari zu tun? Die sinnentladenen Worte lassen jegliche Grübelei sofort in den Hintergrund treten, fordern Immersion. In das jüngste Bilduniversum von Form und Farbe, Figürlichkeit und Abstraktion, das an Street Art erinnert und einem mit rotzig-unverblümter Wucht entgegenschlägt. Schon früher benutzte Coste, die in Südfrankreich aufwuchs und in Zürich die Kunstgewerbeschule absolvierte, Spraydosen, mit denen sie Müllsäcke besprühte. Nun bedient sie sich meisterhaft der edleren Airbrush-Technik, die nicht den geringsten Missgriff erlaubt. 
Auf eine pulsierende Szenerie stösst man in der ersten Werkgruppe ‹Houga houga›, deren schwungvolle Figuren die Künstlerin als kosmisch bezeichnet. Einzelne Objekte wie ein Handy blitzen auf, Kopffüssler und abstrahierte Blumen bevölkern als «Etudes d’après nature» die Tiefe. Sie verweisen auf den ländlichen Lebens- und Arbeitsort des Künstlerin in der Nähe von Nîmes, wo vor ihrem Atelier wilde Knoblauchpflanzen blühen. Im Hauptsaal der Galerie erzeugen die erfrischend gespritzten Werkgruppen ‹Roahhh› und ‹Ouh ouh ha ha› eine rhythmische Struktur und eine Irritation zugleich. Rebellisch bricht die Bild- und Schriftsprache mit der beinahe sakral anmutenden Hängung der zweiteiligen Rauminstallation. Jaques Derrida sprach 1974 in ‹Grammatologie› von einer Ur-Spur im Wesen der Moderne. Während verlorene und verborgene Zeichen an Petroglyphen erinnern, gesellt sich unvermittelt ein Baguette hinzu, starke Farbfelder erinnern an Matisse, die Strukturen an amerikanische Konzeptkunst; hat die Künstlerin doch eine Zeitlang in New York gelebt. Wir könnten beinahe an farbige Kirchenfenster denken, würde da nicht gleich daneben ein gleichformatiges Schriftbild mit dem obszönen Appell hängen: ‹Nique ton père›. Coste kann auf ein übervolles und disparates Repertoire zurückgreifen. Was ihr in die Finger gerät, verwendet sie ebenso unbekümmert wie konsequent. Das macht ihr Werk authentisch und unmittelbar. Innert Kürze ist die letzte Serie unter dem Titel ‹De l’amour et de la solitude› entstanden. Auf roher, unbehandelter Leinwand stellt Coste fast zärtlich Farbbeziehungen her, lotet spannungsreiche Leerstellen aus. Die scharf umrandeten Formen klingen poetisch an und zeigen eine neue Seite der Künstlerin. Augenzwinkernd soll vielleicht der Ausstellungstitel ‹La femme parfaite› verstanden werden, geht es hintergründig immer auch um die Condition humaine und die fragilen, schöpferischen Bedingungen des Menschseins.

Bis 
06.10.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Anne-Lise Coste 31.08.201813.10.2018 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Anne-Lise Coste
Autor/innen
Ursula Meier

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