Benoît Delaunay

Benoît Delaunay · Bancal (Wackelig), 2015, kippbare Skulptur, Holz, 400 x 150 cm, Atelieransicht

Benoît Delaunay · Bancal (Wackelig), 2015, kippbare Skulptur, Holz, 400 x 150 cm, Atelieransicht

Benoît Delaunay · Les spécialistes, Installation und Performance, Kohle, Feuer, Thermohandschuhe, Aquarellpapier, chemische Lösung, 2010, Atelieransicht

Benoît Delaunay · Les spécialistes, Installation und Performance, Kohle, Feuer, Thermohandschuhe, Aquarellpapier, chemische Lösung, 2010, Atelieransicht

Hinweis

Benoît Delaunay

Genf — Das Centre d’art contemporain/CAC widmet – wie jeden Herbst – seine zwei Ausstellungsetagen den Kunstschaffenden, die für den Fond Berthoud, Lissignol-Chevalier nominiert wurden. Der im darüberliegenden Stock einquartierte Project Room gehört jedoch zurzeit dem 1995–1998 an der Opéra nationale in Strassburg und 2005–2007 im Laborato-rium alpes (art, lieu, paysage, espace sonore) der HEAD in Genf ausgebildeten Szenografen und Künstler Benoît Delaunay (*1972, Genf). Delaunay ist in den letzten Jahren an verschiedenen Kunstorten mit eleganten und profunden Setzungen aufgefallen, wie sie nur geduldige, beharrliche Experimente erzeugen. Greift er oft auch den sozialen Kontext der Ausstellungsorte auf, so geht er in der Schau im CAC mit einer ausgesprochen abstrakten Installation auf die quadratische Black Blox des Project Room ein. Der Titel ‹Un sens pour le dialogue› spielt auf den ‹Dialog zwischen Hylas und Philonous› des anglikanischen Priesters George Berkeley an, der darin das kartesianische Weltbild mit dem Fazit brüskierte, dass nur existiert, was wir wahrnehmen. Gleich mit dem ins Zentrum der Schau gesetzten Element gelingt es Delaunay auch, unsere Erfahrungslust und Vorstellungskraft zu dynamisieren. Es handelt sich dabei um ein Balkenskelett, das eine 180°-Torsion beschreibt und vom Publikum hin und her gekippt werden kann, was die Proportionen und Perspektiven jeweils umkehrt. Das so erwachende Bewusstsein der Relativität der Wahrnehmung in Raum und Zeit provoziert sofort die Frage, ob man diese Parameter überwinden kann. Dergleichen Überlegungen werden durch die leiterartige Konstruktion akzentuiert, die sich jedoch nie in die Vertikale schrauben lässt, wie dies bspw. die russischen Konstruktivisten in ihren utopischen Architekturentwürfen vorgemacht haben. Die von Delaunay an den Wänden gruppierte, zwischen 2D und 3D oszillierende Installation lädt zum Nachdenken über die Art und Weise ein, wie wir Wissen generieren und artikulieren. Sie besteht aus einer Art Sonnenuhr, hergestellt aus einem Spiegel und einem knorrigen Ast, die im mit Kunstlicht gefluteten Project Room zu einer unendliche Möglichkeiten bietenden «Sehuhr» wird. Die mit Feuerhemmer und Bunsenbrenner hergestellten Zeichnungen verschiedenster Schattenrisse des Astes helfen uns dabei auf die Sprünge, ihr Potenzial auch auszuschöpfen. 

Bis 
21.10.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Benoît Delaunay 14.09.201821.10.2018 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Künstler/innen
Benoît Delaunay
Autor/innen
Katharina Holderegger Rossier

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