Bernard Voïta — Verso Recto

Bernard Voïta · recto verso, 2018, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Solothurn. Foto: Fabrice Schneider

Bernard Voïta · recto verso, 2018, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Solothurn. Foto: Fabrice Schneider

Bernard Voïta · recto verso, 2018, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Solothurn. Foto: Fabrice Schneider

Bernard Voïta · recto verso, 2018, Ausstellungsansicht Kunstmuseum Solothurn. Foto: Fabrice Schneider

Besprechung

Eine Ausstellung ist immer auch eine Möglichkeit, die Präsentationsbedingungen neu zu denken. Bernard Voïta, dessen vielschichtiges Werk von Ambivalenzen zwischen Fläche und Raum, Repräsentation und Illusion durchdrungen ist, realisiert dieses Potenzial mit besonderer Finesse und lädt zu einer Reise ein.

Bernard Voïta — Verso Recto

Solothurn — Die Ausstellung wird im Halbdunkel betreten. Quer vor mir reihen sich die Neonröhren, die sonst an der Decke montiert sind. Die Raumverhältnisse stehen auf dem Kopf. Die Umkehrung ist bereits im Ausstellungstitel enthalten; ‹recto verso› heisst zudem die erste Installation, an der man kaum vorbeikommt. Ob ich die Röhren übersteige oder der Wand entlang umgehe, die Passage verlangsamt meinen Gang und lässt den Blick im Raum umherschweifen: Terrazzo, Kabelschlangen, Aluleisten, mit Jalousien abgedunkelte Fenster und ein Mini-Pissoir auf einer Plattform, das den lakonischen Titel ‹Balcon› trägt. Die augenzwinkernde Geste der Sublimierung des Abjekten lässt erahnen, dass die Ausstellung einer Logik der Inversion folgt. Bernard Voïta (*1960) wurde in den Neunzigerjahren zunächst durch seine Schwarz-Weiss-Fotografien mit Trompe-l’Œil-Charakter bekannt, für die er in seinem Atelier Labyrinthe und fiktive Architekturen aus Alltagsobjekten baute, um sie dann in die zweite Dimension zu überführen. Das Prinzip dieser frühen Foto-Konstruktionen hat er jüngst umgekehrt. Das Räumliche findet sich nun selten im Bild, dafür ist es so angelegt, dass es aus seinem Rahmen hinaustreten und sich in den Realraum herein entfalten kann. Dank raffinierter Anordnung und generöser Hängung kommunizieren die Werke in Solothurn untereinander und stets mit ihrer Umgebung. Den (funktionalen) Jalousien begegne ich später in Werkform wieder, ebenso den (dysfunktionalen) Bedürfnisanstalten, wie man sie aus Voïtas Wahlheimat Brüssel kennt. Das gezeigte System ist trotz Enfilade, Spiegelungen und Illusionen kein geschlossenes, sondern eines mit Weltbezug. So erklärt sich, weshalb die Abbildungen aus dem Begleitkatalog in einer Papp-Vitrine mit ausgestellt werden. ‹Display recto› verweist über sein Jetzt auf ein zeitliches Davor und Danach. Als Simulakrum der Ausstellung sind die von einem magischen Licht-und-Schatten-Spiel umhüllten Fotografien bei Nacht und bereits im Frühjahr entstanden, als der Künstler die Schau in den (leeren) Kabinetträumen «vor-gestellt» hat, simuliert durch Modelle aus Pappe und Lichtprojektionen als Stellvertreter für die Originale. Dadurch wird alles, was folgt, bereits ein Déjà-vu sein. Und dennoch kann das hier Skizzierte erst durch die folgenden Verbindungen, Zwischenräume und Grautöne halbwegs erfasst werden. Ohne Spektakel, aber durchaus spektakulär, weckt die Ausstellung eine tiefgreifende Neugier für die Dinge dahinter und davor. 

Bis 
21.10.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Bernard Voïta: recto verso 11.08.201821.10.2018 Ausstellung Solothurn
Schweiz
CH
Autor/innen
Deborah Müller
Künstler/innen
Bernard Voïta

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