Christo und Jeanne-Claude

Christo, Ankunft im Forum Würth Chur, 2018

Christo, Ankunft im Forum Würth Chur, 2018

Christo und Jeanne-Claude · Modell des verhüllten Reichstags, Forum Würth Chur, 2018

Christo und Jeanne-Claude · Modell des verhüllten Reichstags, Forum Würth Chur, 2018

Hinweis

Christo und Jeanne-Claude

Chur — Klein, aber fein ist die Ausstellung, die das in der Bündner Kantonshauptstadt angesiedelte Forum Würth dem Künstlerduo Christo und Jeanne-Claude widmet. Beide wurden am selben Tag (13. Juni 1935) geboren. Während sie 2009 an einer Hirnblutung starb, scheint seine Schaffenskraft ungebrochen. Im Juli reiste der in New York wohnhafte Künstler für eine Lecture nach Chur, um im voll besetzten Vortragssaal seine Projekte mit einer Slideshow vorzustellen. Danach beantwortete er mit einer beeindruckenden Eloquenz und Geistesgegenwart Fragen aus dem Publikum. Die Ausstellung im Forum Würth Chur umfasst nebst zahlreichen Projektzeichnungen auch frühe, um 1960 entstandene Arbeiten wie ‹Wrapped Cans and a Bottle›, ‹Package on a Table› und das aus Email, Sand, Farbe, Metall und Holz bestehende, reliefartige Tafelbild ‹Untitled (Craters)›, das sich auf die damals von amerikanischen und russischen Raumfahrtmissionen gelieferten ersten Ansichten von der Rückseite des Monds bezieht. Es war die Zeit des Eisernen Vorhangs. Christo, ein gebürtiger Bulgare, liess sich 1958 in Paris nieder und schloss sich 1960 der Gruppe ‹Nouveau Réalisme› an. 1964 emigrierte er mit Jeanne-Claude nach New York. In jener Zeit entstand u. a. ‹Red Store Front›, eine aus Überresten abgerissener Häuser erbaute Ladenfront. Präsentieren, Verhüllen und Enthüllen macht den Kern von Christos Schaffen aus. Das Mittel zum Zweck ist der anschmiegsame Stoff, der – massgeschneidert – Formen verhüllt und zugleich betont (man denke an den Faltenwurf gotischer Figuren), der sich ein- und ausrollen sowie wiederverwenden lässt. Christos raumgreifende Projekte wie bspw. der ‹Valley Curtain› in den Rocky Mountains 1972, die Auskleidung des Hauptsitzes der Firma Würth in Künzelsau, die Verhüllung des Deutschen Reichstags in Berlin im Jahr 1995 oder die verhüllten Bäume im Park der Fondation Beyeler in Riehen 1998 sind temporärer Natur. Das Land-Art-Projekt ‹Floating Piers› am italienischen Lago d’Iseo von 2016, um das aktuellste Bespiel zu nennen, dauerte nur 16 Tage und zog rund 1,2 Millionen Interessierte an. Das erste Gebäude, das Christo verpackte, war übrigens 1968 die Kunsthalle Bern. Bereits damals hätte er gern ein Parlamentsgebäude verhüllt, führte der Künstler nun aus, dann aber eingesehen, dass es wohl einfacher wäre, eine kulturelle Institution zu verpacken. Das 50-jährige Bestehen der Kunsthalle Bern, die ja soeben ihr 100-Jahr-Jubiläum feiert, bot damals den willkommenen Anlass dazu. Christo wurde von Harald Szeemann, den er als «persistent» bezeichnet, stark unterstützt. Alle Exponate stammen aus der Sammlung Würth, die 130 Arbeiten und Entwürfe von Christo ihr Eigen nennen darf. Das Forum Würth Chur eröffnete 2002 mit einer Ausstellung zu Christo und Jeanne-Claude. So schliesst sich in vielerlei Hinsicht der Kreis. Die diesjährige Ausstellung wird durch zahlreiche Projektaufnahmen von Wolfgang Volz abgerundet.

Bis 
28.10.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Christo und Jeanne-Claude 09.03.201828.10.2018 Ausstellung Chur
Schweiz
CH
Autor/innen
Lucia Angela Cavegn
Künstler/innen
Christo
Jeanne-Claude

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