Clare Kenny und Manon Bellet

Clare Kenny · Brief encounters & Running joke, 2018, Giesskeramik, Pigmente, 37 x 56 cm

Clare Kenny · Brief encounters & Running joke, 2018, Giesskeramik, Pigmente, 37 x 56 cm

Manon Bellet · L’O Perdue, Parfum, 2017, gewonnen aus gefährdeten Erden in New Orleans (in Zusammenarbeit mit A. Wilhelm)

Manon Bellet · L’O Perdue, Parfum, 2017, gewonnen aus gefährdeten Erden in New Orleans (in Zusammenarbeit mit A. Wilhelm)

Hinweis

Clare Kenny und Manon Bellet

Basel — «Man muss sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet.» Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man die Eifrigkeit betrachtet, mit der unsere Welt fotografisch festgehalten wird, und mit welch undefinierten Gefühlen wir dem Verschwinden von Dingen begegnen. Aber was war zuerst? Hätten wir auch ohne Fotos oder Filme Anlass, dem Verrinnen der Zeit zuzusehen? Vielleicht würden wir ohne diese Bilder in der Wirklichkeit ebenso viel Bleibendes wie Verschwindendes wahrnehmen. Paul Cézanne, der den Satz gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufschrieb, als die Daguerrotpyomanie ausgebrochen war, hatte damit Anlass, dem Phänomen mit wehmütigem Blick zuzusehen. Er benannte etwas, das bis heute kaum an Aktualität eingebüsst hat.
Keine Zeit für Melancholie hat Clare Kenny (*1976), die frisch aus New York zurückgekehrt ist. Ihre Arbeiten werden durch einen vorausschauenden Geist geprägt, der Fundstücke als neue Ideen, weniger als Spuren von etwas gerade Verschwundenem versteht. Konsequent beschäftigt sich die Künstlerin mit der optischen Transformation von Gegenständen, wie es die fotografische Maschinerie und die damit verbundene Industrie vorgeben. Etwas Gefundenes wie materielle Reste eines Abends auf der Strasse hebt Kenny auf und findet damit einen Anfang. Ja, es scheint gar nicht so wichtig, ob es ein Paar Turnschuhe, Ballone oder ein Slip sind, die als Form wiederverwendet und in einen neuen Kreislauf aufgenommen werden. Die Künstlerin drückt sie in Ton und erhält auf diese Weise Negative, die sie mit Keramik ausgiesst. Als rechteckige Reliefs in zarten Farben sind die Bilder keine Wiedergaben von etwas, das einmal war, sondern etwas Neues, mit ganz anderer Geschichte und Bedeutung. Entsprechendes könnte man auch von Manon Bellets (*1979, Vevey) neuer Arbeit ‹L’O Perdue› behaupten. Die in den USA lebende Künstlerin bietet dem Publikum darin eine sinnliche Erfahrung an. Trüge das Parfum nicht den Titel, der auf die Entstehungszusammenhänge hinweist, würde sich der Duft wohl kaum mit der Vorahnung einer untergehenden Welt assoziieren, die hier angesprochen wird: Die Extrakte von Erde stammen aus einer Sumpfgegend in New Orleans, die gemäss Prognosen aufgrund von Umweltzerstörung in weniger als hundert Jahren verschwunden sein wird. Auf der Suche nach Unmittelbarkeit findet Bellet Medien, die wenig Distanz zwischen Original und Reproduktion lassen und damit die Sorge um das fragile Einmalige vermitteln. 

Bis 
20.10.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Clare Kenny, Manonn Bellet 08.09.201820.10.2018 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Manon Bellet
Clare Kenny
Autor/innen
Katharina Dunst

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