Dutch Mountains — Auf in die Berge

Jan Hackaert · Die Viamala, 1655, Feder in Grau, braun, grau und lila-grau laviert, über Grafit, 37,6/37,1 x 29,5 cm, Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung

Jan Hackaert · Die Viamala, 1655, Feder in Grau, braun, grau und lila-grau laviert, über Grafit, 37,6/37,1 x 29,5 cm, Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung

Besprechung

Landschaft fasziniert immer. Erst recht, wenn ein so besonderes Kapitel aufgeschlagen wird wie in der von Andrea Lutz und David Schmidhauser kuratierten Schau ‹Dutch Mountains. Vom holländischen Flachland in die Alpen› im Museum Reinhart am Stadtgarten.

Dutch Mountains — Auf in die Berge

Winterthur — Man könnte direkt gefühlvoll werden: So viele Landschaften, so viele gefasste Blicke auf die Welt, auf geformte, gewachsene Natur; Berge, Felsen, Wasser spielen die Hauptrolle darin. Das reicht von der kleinen, kaum postkartengrossen Radierung bis zum imposanten, anderthalb Meter breiten Ölgemälde, das umfasst Kunst von Pieter Bruegel d. Ä. bis Alexandre Calame. Und es führt eindringlich vor Augen, dass die künstlerische Eroberung der Alpen lange vor dem unbestrittenen Meister Caspar Wolf begann – und dass die «berglosen» Niederländer entscheidend daran beteiligt waren. 75 Werke, vor allem Zeichnungen und Radierungen, aber auch eine Reihe von Ölgemälden, veranschaulichen, was es mit der «Entdeckung der alpinen Bergwelt aus der niederländischen Bildtradition heraus» auf sich hat, die hier «erstmals im Zentrum einer umfangreichen Ausstellung» steht. Dreihundert Jahre Gebirgsmalerei von niederländischen und Schweizer Künstlern; Landschaften von 17 Künstlern, die sich immer mehr an der Realität orientieren: zunächst an der Realität, wie sie sein könnte, dann mehr und mehr an der Realität, wie sie ist. Dem Zauber von Bruegels detailreicher ‹Grossen Alpenlandschaft›, um 1555, oder Allaert van Everdingens ein Jahrhundert später entstandener ‹Berglandschaft mit Wanderern› erliegt man dabei ebenso wie dem ausgesprochen schönen blauen Blatt, auf dem Calame am 8. August 1858 einen steil abfallenden Felsen über dem Vierwaldstättersee festgehalten hat: überall der Blick in die Welt, der Grosses zu fassen sucht. Sind die Landschaften bei Bruegel, Jacob van Ruisdael, Roelant Savery oder bei Everdingen topografisch nicht bestimmbar – sie waren auch nicht darauf angelegt –, so ändert sich das mit jenen Künstlern, die ihren Landschaften das Zeichnen in freier Natur zugrunde legten. Dazu gehören Jan Hackaert und Conrad Meyer, die im Kontext der Ausstellung eine wichtige Rolle spielen. Der Amsterdamer kam 1655 mit einem zeichnerischen Auftrag in die Schweiz und lernte den etwas älteren Zürcher Conrad Meyer kennen. Gemeinsam erkundeten sie das Glarner Hochgebirge. Die Ausstellung wartet mit sprechenden Bildern auf, die den kreativen Austausch zwischen zwei Künstlern belegen, die mit ihren topografisch genauen Ansichten «die Gebirgsdarstellung» revolutionierten, «beinahe hundert Jahre bevor Albrecht von Haller ihre Schönheit besang» (Andrea Lutz im Katalog). Die beiden grössten Werke dieser stillen Revoluzzer verstärken den Goldglanz der Winterthurer Schau. 

Bis 
20.01.2019

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