Kunst in Bewegung

Banū Mūsā ibn Shākir · Programmierbarer universaler Musikautomat, ca. 850/2015, Courtesy ZKM. Foto: Harald Völkl

Banū Mūsā ibn Shākir · Programmierbarer universaler Musikautomat, ca. 850/2015, Courtesy ZKM. Foto: Harald Völkl

Frank Gillette, Ira Schneider · Wipe Cycle, 1969/2017, Rekonstruktion der Videoinstalla-tion, Courtesy ZKM. Foto: ONUK

Frank Gillette, Ira Schneider · Wipe Cycle, 1969/2017, Rekonstruktion der Videoinstalla-tion, Courtesy ZKM. Foto: ONUK

Hinweis

Kunst in Bewegung

Karlsruhe — In einer riesigen Übersichtsschau entwirft das Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe eine Geschichte der zeitbasierten medialen Künste des 20. und 21. Jahrhunderts. Was die Ausstellung auszeichnet, ist die Darstellung des engen Zusammenhangs zwischen technischen Apparaten und ihrer Verwendung in der Kunst. Der dreifache Titel ‹Kunst in Bewegung. 100 Meisterwerke mit und durch Medien. Ein operationaler Kanon› betont nicht nur das für die Medienkunst wichtige Zeit-Raum-Element der Bewegung, sondern auch den Forschungscharakter und die Vorläufigkeit der Auswahl. Entstanden ist die Medienkunst, so die zentrale These, weniger aus den statischen Bildkünsten, Malerei und Skulptur, als vielmehr aus den performativen Zeitkünsten, Musik und Dichtung. Am Anfang stehen das Rad, dessen Struktur dem Bilderlauf des Films zugrunde liegt, und Musikinstrumente, wie etwa die bedienbare Rekonstruktion eines Flötenautomaten, der 850 in Bagdad erfunden wurde. In der Ausstellung sind nicht nur viele Maschinen und Apparate zu sehen, wie etwa ein ‹Cinématographe Lumière› von 1896, der zugleich Aufnahmekamera, Projektor und Kopiermaschine von Filmen ist, oder eine Fender-Gitarre von 1981, sondern auch frühe Konzepte und Beobachtungen, bspw. Bewegungsstudien von Bertalan Székely und Ernst Mach sowie Musik-abhandlungen von Athanasius Kircher. Die Erfindung von elektronischer Musik, Radio, Fernsehen und Video brachte eine Vielzahl von experimentellen Werken hervor. Ulrike Rosenbach schoss im Aktions-Video ‹Glauben Sie nicht, dass ich eine Amazone bin›, 1975, mit 15 Pfeilen auf ein ihr Gesicht überblendendes Madonnenbild. Frank Gillette und Ira Schneider schufen 1969 eine Videoinstallation, in der Betrachter zwischen Archivmaterial immer wieder sich selbst in Livewiedergabe sehen. Eine Platine von Apple und erste computergenerierte Filme von John Whitney leiten in das Zeitalter der digitalen Künste über. Lynn Hershmann Leesons CD-Rom-Disk-Arbeit ‹Lorna›, 1979–84, fehlt, dafür sind andere interaktive Arbeiten aus der ZKM-Sammlung wiederzuentdecken, etwa Jeffrey Shaws ‹The Legible City›, 1988, oder Christa Sommerers und Laurent Mignon-neaus ‹The interaktive Plant Growing›, 1993. Im oberen Stockwerk werden neuste Techniken der Bio Art angerissen. Stelarcs fernsteuerbarer dritter Arm sowie Hershmann Leesons für uns unsichtbar auf DNA gespeicherte Filme sind hier zu nennen. Man kann sich historisch, klanglich, visuell und interaktiv vergnügen.

Bis 
10.02.2019

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