Kunst und Bau — Marcel Scheible: Viele Hände für ein Werk

Marcel Scheible · 512 Skulpturen, 2018, Bronzeguss, Kunst und Bau, Schulanlage Wilmatt, Therwil BL, Installationsansicht (Detail) und Garderobensituation (noch unmöbliert) mit Gruppenräumen und Terrasse im Hintergrund, Courtesy Gschwind Architekten Basel und Einwohnergemeinde Therwil

Marcel Scheible · 512 Skulpturen, 2018, Bronzeguss, Kunst und Bau, Schulanlage Wilmatt, Therwil BL, Installationsansicht (Detail) und Garderobensituation (noch unmöbliert) mit Gruppenräumen und Terrasse im Hintergrund, Courtesy Gschwind Architekten Basel und Einwohnergemeinde Therwil

Marcel Scheible · 512 Skulpturen, 2018, Bronzeguss, Kunst und Bau, Schulanlage Wilmatt, Therwil BL, Installationsansicht (Detail) und Garderobensituation (noch unmöbliert) mit Gruppenräumen und Terrasse im Hintergrund, Courtesy Gschwind Architekten Basel und Einwohnergemeinde Therwil

Marcel Scheible · 512 Skulpturen, 2018, Bronzeguss, Kunst und Bau, Schulanlage Wilmatt, Therwil BL, Installationsansicht (Detail) und Garderobensituation (noch unmöbliert) mit Gruppenräumen und Terrasse im Hintergrund, Courtesy Gschwind Architekten Basel und Einwohnergemeinde Therwil

Besprechung

Marcel Scheible ist ein seismografischer Beobachter, einer, den das Isolieren und Verfremden interessiert. Seine künstlerische Signatur in der Schulanlage Wilmatt in Therwil hat den kreativen Impuls den Nutzer/innen zugespielt – und in der Anverwandlung ihrer Ideen ein Bild gefunden für Vielfalt in der Ordnung.

Kunst und Bau — Marcel Scheible: Viele Hände für ein Werk

Therwil BL — Schulhäuser wandeln sich mit dem Fortgang pädagogischer Konzepte. Und wo sie neu gebaut werden, geben sie ihren Zweck auf den ersten Blick gar nicht so eindeutig preis: Das von den Basler Gschwind Architekten errichtete Primarschulhaus mit Kindergarten und Doppelturnhalle Wilmatt in Therwil BL könnte auch einen Firmensitz oder ein Tagungszentrum beherbergen. Zwei flache Baukörper schmiegen sich ins Gelände. Verglaste Innenhöfe streuen Licht ins Innere der ‹Lernlandschaft›, Lauben öffnen Gruppen- und Klassenräume nach Osten, aufrichtig trägt die Architektur Holz, Beton und Glas zur Schau. Klein, aber unübersehbar ist die künstlerische Intervention, die Marcel -Scheible hier in Zusammenarbeit mit Schüler/innen und Lehrkräften realisierte. Voller Eigensinn und doch nobel in ihrer Beschaffenheit spielt seine Intervention am Rand des Alltags mit den kreativen Ressourcen des Orts. Mit seiner Idee, jedem Haken der Garderobe eine individuelle Form zu geben, haben sich Kindergärtler, Schülerinnen, Lehrpersonen wie auch Mitarbeitende der Gemeinde ans Werk gemacht. Sie folgten Scheibles Aufruf, Gegenstände beliebiger Herkunft und Funktion zu dreidimensionalen, schlanken Plastiken zu formen oder Objekte mit Kerben und Ausbuchtungen auch ganz direkt als Haken gelten zu lassen. 128 Prototypen hielten Scheibles Kriterien schliesslich stand: Stapelungen aus Kork oder Würfeln, Muscheln und Nüsse auf schlanken Trägern, eine Bananenspitze oder eigens aus Wachs und Plastilin geformte Tiere sind dabei. Accessoires aus kindlichen Schatzkisten, Legosteine, freie, zwischen Knopf, Knauf und Blume oszillierende Knorpelchen. Je viermal in Wachs repliziert und im Ausschmelzverfahren in Bronze gegossen, näherten sich die heterogenen Erfindungen einander an, um schliesslich, schwarz patiniert und direkt in die Wand eingelassen, zur Reihe aufzuschliessen. Es gibt nicht die Schönen und die Unbeholfenen, kein Haken ist richtiger als der andere, wahrscheinlich werden nicht alle ihre Jacke und Tasche demselben Liebling anvertrauen. Und während die kinderfingerlangen Capriccios über die Monate angescheuert werden und stellenweise zu glänzen anfangen, mag plötzlich klar werden: Unsere Wirklichkeit besteht aus Partikeln, und jedes Fundstück lotst uns in eine andere Welt.

‹512 Skulpturen›, Schulanlage Wilmatt, Einwohnergemeinde Therwil; mit Broschüre mit Reproduktionen aller Garderobenhaken.

Künstler/innen
Marcel Scheible
Autor/innen
Isabel Zürcher

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