Kunst und Systeme — Immer anders, immer gleich

Walead Beshty, Bethan Huws, Angela Bulloch, !Mediengruppe Bitnik, Rémy Zaugg (v.l.n.r.) · Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum Chur, 2018 © ProLitteris

Walead Beshty, Bethan Huws, Angela Bulloch, !Mediengruppe Bitnik, Rémy Zaugg (v.l.n.r.) · Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum Chur, 2018 © ProLitteris

Frank Stella, Bethan Huws, Peter Buggenhout (v.l.n.r.) · Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum 2018 © ProLitteris

Frank Stella, Bethan Huws, Peter Buggenhout (v.l.n.r.) · Ausstellungsansicht Bündner Kunstmuseum 2018 © ProLitteris

Besprechung

Serielle und systemische Arbeiten prägen die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In einer grossen, internationalen Gruppenschau fokussiert das Bündner Kunstmuseum auf ‹Kunst und Systeme› und stellt Werke von Pionieren der Minimal Art und der Konzeptkunst aktuellen Positionen gegenüber.

Kunst und Systeme — Immer anders, immer gleich

Chur — Systeme gibt es überall in unserer Gesellschaft. Zeit-, Schrift-, Bank-, Computersysteme sind nur einige wenige Beispiele von regulierenden Normen, die unser Leben prägen. Nach dem Systemdenken der Kunst zu fragen, ist daher alles andere als weltfremd. Dennoch verlangt ein solcher «Versuch» aufgrund der theoretischen Basis viel von den Betrachtenden und dem Organisator. Dass dieses anspruchsvolle Projekt trotzdem gewagt wird, ist anerkennenswert. Die Annäherung des Bündner Kunstmuseums an Ordnung und System beginnt bei der Minimal Art und der Konzeptkunst der Sechzigerjahre. Als Gegenbewegungen zur gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus wurden Objektivität, schematische Klarheit und letztlich die Entpersönlichung der Kunst angestrebt. Mit der Werkauswahl richtet der Kurator Lynn Kost nun ein Schlaglicht auf den gesellschaftlichen und kunsthistorischen Kontext dieser Kunstströmungen. Die Schau wartet mit hochrangigen Künstlern und Hauptvertretern der genannten Bewegungen auf: Carl Andre (*1935), die Künstlergruppe Art & Language (gegründet 1968), John Baldessari (*1931), Donald Judd (1928–1994), On Kawara (1933–2014), Sol LeWitt (1928–2007) u. a. Neben den mehrheitlich amerikanischen Künstlern ist auch das Werk des Bündners Corsin Fontana (*1944) vertreten. Einen Gegenpol stellt die Arbeit des Surinamers Stanley Brouwn (1935–2017) dar: Mit seinen eigenen Massen, die er den universellen Standardmassen entgegensetzte, stellte er das subjektive Empfinden über vereinheitlichende Systeme. Die historischen Positionen werden mit aktuellen kombiniert. Viele von ihnen führen den selbstreflektierenden Kunstdiskurs weiter. Die Kanadierin Angela Bulloch (*1966) und die !Mediengruppe Bitnik etwa verweisen auf Fragen von Autorschaft und Bildproduktion im Zeitalter der Digitalisierung zahlreicher Lebensbereiche. Walead Beshty (*1976) beschäftigt sich mit Systemen der Produktion und Zirkulation von Kunst. Die Ägypterin Iman Issa (*1979) befragt unsere Lesart von Kunst mit Remakes von existierenden zeitgenössischen Werken und detaillierten, aber nicht zusammenpassenden Bildbeschriftungen. Es sind die Unterschiede, die Gegenpole und der bewusst offen gelassene Spielraum für eigenes Weiterdenken, die diese Hinterfragung des selbstverständlich gewordenen Systemdenkens gewinnbringend machen.

Bis 
11.11.2018

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