Martha Rosler & Hito Steyerl — Böse Spiele

Hito Steyerl · Hell Yeah We Fuck Die, 2016, Installation Kunstmuseum Basel, 2018 © ProLitteris

Hito Steyerl · Hell Yeah We Fuck Die, 2016, Installation Kunstmuseum Basel, 2018 © ProLitteris

Besprechung

‹War Games› umspielt Fantasien der Macht und lotst in die Komfortzonen digitaler Simulationen. Mit herber Präzision, mit Charme und Unterhaltungswert untersucht die Ausstellung jenes Grenzgebiet, das Information und Fiktion, Kampf und Spiel ineinander aufgehen lässt.

Martha Rosler & Hito Steyerl — Böse Spiele

Basel — Man könnte fürchten, dass die Begegnung von Martha Rosler (*1943) und Hito Steyerl (*1966) den Vergleich oder gar Wettbewerb schürt. Dass der Generationensprung die Jüngere als Adeptin erscheinen lässt – oder dass umgekehrt die Kunst der Älteren, die mit kritischer Sehschärfe schon seit Vietnam Konsumgebaren und Kriegsmaschinerie aufeinander bezieht, zum historischen Refrain verblasst. Das Gegenteil ist der Fall: Mit ‹War Games› glückt ein Paarlauf, der das Who’s who entschlossen hinter die Brisanz der Themen zurückdrängt. ‹War Games› lauert einer -politischen Rhetorik auf, die ohne Rücksicht auf Verluste das Recht der Stärkeren gegen die Ohnmacht von Benachteiligten verteidigt. Dabei wird deutlich: Wir sind im Krieg. Waffengewalt sitzt auch in Bildern, die uns in Online- und Printformaten unablässig mit Nachrichten speisen. Militärische Taktik im Kampfgelände wird zum Diktat jugendlicher Körperkultur. Musikvideos und Computerspiele sind ein Gleitmittel, das militärische Aggression zur Norm individuellen Vergnügens erhebt. Und schliesslich kann sich auch die Kunst auf keine hehre Überlegenheit berufen, subventioniert doch der weltweite Waffenhandel auch das Schaffen, das kritisch gegen ihn anredet. «Robot, what do you want? – I want to save the world.» – Es ist ein hehres Ziel, das Wissenschaftler, Spielentwicklerinnen und Kriegsstrategen verbündet. In ‹Hell Yeah We Fuck Die› lässt uns Steyerl u. a. beobachten, wie die Standfestigkeit von Robotern getestet und verbessert wird. Grobe Tritte, Schläge und Wurfgeschosse bereiten die archaisch anmutenden Prothesen auf ihren vermeintlich humanitären Einsatz vor. Der Titel der raumgreifenden Installation zitiert die fünf häufigsten Wörter in englischsprachigen Popsongs der letzten zehn Jahre. Ihr Soundtrack vertont im Obergeschoss auch Roslers stumme Bildzeugnisse. Musikalisch organisierte Detonationen werden zum fortlaufenden Puls einer Schau, die Herrschaftsverhältnisse nicht als gegeben hinnimmt, sondern die militarisierte Wirklichkeit im Zitat entlarvt und unterwandert. Unabhängig voneinander und in ihrer Gegenwartsanalyse doch eng verwandt, sagen beide Künstlerinnen jeder Hingabe an den Weltschmerz den Kampf an. Das Werk der Jüngeren gewinnt mit Rosler ein bis in die 1960er-Jahre zurückreichendes Fundament. Und wenn die Ältere, lange unter dem Vorzeichen feministischer Kunst gesehen, die Zukunft der US-amerikanischen Kampfdrohnen in den Blick nimmt, findet sie in Steyerl eine ebenso unerschrockene Komplizin.

Bis 
02.12.2018
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Martha Rosler & Hito Steyerl 05.05.201820.01.2019 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Martha Rosler
Hito Steyerl
Autor/innen
Isabel Zürcher

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