The Year 1968 and Beyond

Keith Sonnier · TV In + TV Out, 1972, Filmstill, Farbfilm mit Ton, 12’, Courtesy Häusler Contemporary München/Zürich © ProLitteris

Keith Sonnier · TV In + TV Out, 1972, Filmstill, Farbfilm mit Ton, 12’, Courtesy Häusler Contemporary München/Zürich © ProLitteris

Klaus Rinke · Verdunstung, 1969/70/79, 2 x 30l handgezogene Gläser Wasser, Tiefseesalz, Messinglot, Stahltisch verzinkt. 115 x 87 x 62 cm. Foto: Wolfgang Stahl

Klaus Rinke · Verdunstung, 1969/70/79, 2 x 30l handgezogene Gläser Wasser, Tiefseesalz, Messinglot, Stahltisch verzinkt. 115 x 87 x 62 cm. Foto: Wolfgang Stahl

Hinweis

The Year 1968 and Beyond

Zürich — Die 68er sind ein Mythos, der bis heute nachhallt. Eine Zuspitzung, Radikalisierung und Popularisierung der ausserparlamentarischen Ereignisse dieser Jahre und eine Auflehnung eines grossen Teils der Jugend gegen die herrschende Klasse prägten die in Europa heftigen autonomen Jugendbewegungen von 1980 bis 1982. Hauptsächlich wurden sie durch den Mangel an Räumlichkeiten und an Finanzierung für autonomes Kunstschaffen ausgelöst. Unter all den Ausstellungen zur 68er-Bewegung scheint mir die gegenwärtige Ausstellung ‹Flashes of the Future. Die Kunst der 68er oder die Macht der Ohnmächtigen› im Aachener Ludwig Forum herauszuragen, indem sie danach fragt, ob sich der aufrührerische Impuls der 68er am stärksten in der bildenden Kunst niederschlägt. Dazu schreibt Klaus Hartung im Katalog: «Gerade mit dem Revolutionsanspruch der Moderne und ihrer immer wieder gefeierten Avantgarderolle wollten die 68er nichts zu tun haben.» Dennoch lautete eine der vielversprechendsten Parolen des Pariser Mai bekanntlich «Die Fantasie an die Macht», und wo, wenn nicht in der Kunst, war dieser Aufruf unmittelbar zu verwirklichen? Auch die Häusler Contemporary Galerie hat sich im Jubiläumsjahr der 68er-Bewegung vorgenommen, die kunsthistorische Bedeutung der damaligen Zeit schlaglichtartig mit einigen wenigen Positionen zu beleuchten. So wollte sich Michael Venezia (*1935, Brooklyn) mit Spraybildern von der gestischen Malerei des Abstrakten Expressionismus absetzen, mit monochrom gestalteten Holzlatten von der Minimal Art. Während Peter Young (*1940, Pittsburgh) mit psychedelischen Versatzstücken Dogmen der Minimal Art ironisierte, lässt Keith Sonnier (*1941, Mamou) Prozesse von Filmarbeit, Performance und Videokunst zum Gesamtkunstwerk verschmelzen. Die radikal veränderte Skulpturenauffassung wird mit Werken des Konzeptkünstlers Klaus Rinke (1939, Wattenscheid), eines Pioniers prozessbasierter Kunst, gezeigt. Sein kürzlich geäussertes Diktum könnte als wegweisender Impuls in die Zukunft gelten, dass nämlich die damals erprobten Formen von Selbstbestimmung, kritischer Intervention, Partizipation und Kollaboration noch nicht ausgeschöpft sind: «Mein ganzes Werk besteht aus Rückschlüssen, wodurch die Vergangenheit zur Zukunft wird und nach vorne prescht.» Und diese steht gemäss dem Songtext von David Bowie in ‹Space Oddity› zweifellos unter einem anderen Stern. 

Bis 
03.11.2018

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