Kunsträume — WallRiss, Offspace im Aufbruch?

Camille Alena · We Win or We Die II, 8.4.–9.6.2018, Installationsansicht. Foto: Guillaume Baeriswyl

Camille Alena · We Win or We Die II, 8.4.–9.6.2018, Installationsansicht. Foto: Guillaume Baeriswyl

I got the Moon in the Morning and the Sun at Night, organisiert von Giangiacomo Rossetti, 10.6.–21.7.2019, Installationsansicht. Foto: Guillaume Baeriswyl
 

I got the Moon in the Morning and the Sun at Night, organisiert von Giangiacomo Rossetti, 10.6.–21.7.2019, Installationsansicht. Foto: Guillaume Baeriswyl

 

Kein Wunder, 9.3.–23.3.2018, Vernissage. Foto: WallRiss

Kein Wunder, 9.3.–23.3.2018, Vernissage. Foto: WallRiss

Fokus

Als einziger Offspace in Freiburg entwickelte sich ‹WallRiss› zu einer wichtigen Plattform der lokalen Szene im Austausch mit auswärtigen Positionen. Das junge Kuratorenteam treibt Strategien der Kunstwelt auf die Spitze und hinterfragt damit zugleich die Konventionen eines alternativen Kunstraums.

Kunsträume — WallRiss, Offspace im Aufbruch?

Kurvig führt die verhältnismässig kahle Strasse Walriss vom familiären Quartier d’Alt hinunter in die Freiburger Altstadt. Wenn aber der Offspace ‹WallRiss› hier zur Vernissage lädt, belebt sich der Ort. Mit Negroni und Zigarette in den Händen quillt das Publikum aus den massiven Türen. Doch nicht nur während der Ausstellungen, Performances und Konzerte herrscht ungezwungene Geselligkeit. Sie ist Teil der Strategie des Kuratorentrios bestehend aus dem Kunstgeschichts- und Philosophiestudenten Paolo Baggi, dem Künstler Grégory Sugnaux und dem Grafiker Clément Chavanne. Die ursprünglich sechsköpfige Equipe übernahm 2016 den drei Jahre zuvor von ­Nicolas Brulhart und Lauris Paulus gegründeten Kunstraum. Was und wie sie ausstellen, geht aus Treffen, persönlichen Affinitäten und Diskussionen hervor. Zugespitzt hat sich dieses Vorgehen in der letzten Schau, als der eingeladene ­Giangiacomo ­Rossetti (*1989, Mailand) nicht eigene Arbeiten, sondern diejenigen von rund zehn anderen Kunstschaffenden zeigte. Den tiefer liegenden der zwei Räume, die durch eine ­schmale Passage verbunden sind, verdunkelte er dafür zu einer «Grabkammer». Die Raumkonstellation evoziert immer wieder Fragen nach dem Display. Der kurze Gang wurde auch schon durch eine gigantische Leinwand oder einen von Pflanzen umwachsenen Geröllweg versperrt. Indem sie den «White Cube» als dezidiert nichtneutralen Raum erlebbar machen, werfen die Kuratoren selbstkritische Fragen auf: Was kann ein Offspace noch zum Kunstdiskurs beitragen, wenn manch grössere Institu­tion ebenfalls unentdeckte Positionen präsentiert? Wenn alternative Kunsträume sich ­ihrerseits zunehmend institutionalisieren? Dem stellt sich ‹WallRiss› mit Befragungen des Definitorischen in Bezug auf Kunst und Sprache in Ausstellungen wie ‹Either it is raining or it is not (at a particular space and time)› und ‹Objet Vague›. Dabei verzichten die ehrenamtlichen Betreiber bewusst auf eine eindeutige, didaktische Kommunikation, die sie stattdessen als adaptierbare Weiterführung der jeweiligen Veranstaltung verstehen. Mit ihrer Ausstellungspraxis erproben sie verschiedene Rollen des Kunstraums. So liessen sie etwa 2017 den längst etablierten John Tremblay (*1966, Boston) die Freiheiten eines Offspace wieder ausloten. Die aktuelle Schau ‹Observer of the Techniques› wiederum nimmt Bezug auf die New Yorker Galerieausstellung ‹Techniques of the Observer›, die ihrerseits ein gleichnamiges Buch des Kunstkritikers Jonathan Crary zitierte. Sie reflektiert anhand der Technik von rund fünfzehn Malern den «Zeitgeist» und die damit einhergehende eigene kuratorische Strategie.

Irène Unholz studiert Kunstgeschichte an der Universität Fribourg. irene.unholz@gmail.com
Kunsträume – Die Reihe wird realisiert mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Bis 
20.10.2019
Ausstellungen/Newsticker Datum Typabsteigend sortieren Ort Land
Observer of the Techniques 03.09.201920.10.2019 Ausstellung Fribourg
Schweiz
CH
Autor/innen
Irène Unholz

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