MÉCA — Il est une fois dans l’Ouest

La MÉCA in Bordeaux, 2019. Foto: Laurian Ghnitoiu

La MÉCA in Bordeaux, 2019. Foto: Laurian Ghnitoiu

Il est une fois dans l’Ouest, Ausstellungsansicht, Frac Nouvelle-Aquitaine MÉCA, 2019. Foto: Jean-Christophe Garcia

Il est une fois dans l’Ouest, Ausstellungsansicht, Frac Nouvelle-Aquitaine MÉCA, 2019. Foto: Jean-Christophe Garcia

Besprechung

Intelligent präsentiert sich der Frac Nouvelle-Aquitaine in frischen Räumen im nagelneuen Kulturzentrum MÉCA. Zugänglich werden die Besonderheit dieser regionalen Kunstsammlung, deren beachtliche künstlerische Qualität und ein hohes Refle­xionsniveau in Bezug auf die Aufgabe der Ausstellung.

MÉCA — Il est une fois dans l’Ouest

Bordeaux — Das gibt es nur in Frankreich: 23 Fonds régionaux d’art contemporain, vor 36 Jahren gegründet, halten über 30’000 Werke. Ursprünglich wurden die Frac-Sammlungen nur an Schulen und andere öffentliche Institutionen entliehen. Seit 2000 bekommen sie eigene Showrooms, oft in ikonischen Bauten, machen so regionalen Kunstzentren staatlich Konkurrenz – ein Paradox der Dezentralisierungspolitik. In Bordeaux eröffnete im Mai das vom dänischen Architekten Bjarke Ingels entworfene MÉCA (Maison de l'économie créative et de la culture). Landmarke in ­einer sich rasant modernisierenden Stadt versammelt es auf 12’000 m2 regionale Agenturen für Kulturförderung. Der Frac besetzt zwei Etagen der durch Sichtbeton und Aluminium recht unterkühlten Räume, bietet Weitblick von der Dachterrasse über die Garonne, ­lichte Deckenhöhe und verschiedene Raumformate. Direktorin Claire Jacquet setzt zur Einweihung auf Kooperation: 15 verschiedene Projekte und Kuratorinnen wählten aus ihrer und anderen Sammlungen aus. Gelungen: Auf 1200 m2 vermittelt ein kluger Parcours den ästhetischen Charakter der Sammlung, geprägt von regionaler Vielfalt. Dass es auf Transversalität ankommt, zeigt der Ausstellungsabschnitt ‹Trans› von Anne Dressen: Die Kuratorin, einst Mitglied des Frac-Ankaufskomitees, verknüpft die grosse Zeichnung ‹For Cabinet, For Rage›, 2014, von Anne Imhof, fotografische Travestien von Michel Journiac, eine witzige kleine Figurengruppe von ­Danny Mcdonald mit Jesus, Dinosaurier, Alien und Weihnachtsmann oder eine ­Tapete von Philip Wiegard zu einem polyphonen künstlerischen «Mood Board» dieser Sammlung. Während ein schlecht kartografierter Saalzettel die Orientierung erschwert, erfreuen nonchalante Hängungen wie die des Künstlers und Ausstellungsfotografen Aurélien Mole. Als Kurator lässt er ­Werke wie die von Christian Boltanski über die Kante der Trockenwand zur Decke ­ragen oder spielt mit Resonanzen: Evariste Richer hält 2012 einen Meteoritenabschnitt als ‹Palette des Teufels› in die Kamera, Cindy Sherman schaut verblüfft überbelichtet in sie hinein (Untitled #67, 1980), während Laurent Montaron 1999 das Plattenlabel ‹His master’s voice› mit der Fotografie eines Mannes parodiert, der seinem Hund ins Ohr schreit. Draussen gibt Benoit Maires bronzene, der Länge nach ­durchschnittene Hermes-Büste Ausblick für die Kunst angesichts politischer und kommerzieller Instrumentalisierung. Der antike Gott schützt neben handwerklich-künstlerischer Schöpfung auch Schausteller und Diebe.

Bis 
09.11.2019

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