OsloBiennalen

Carole Douillard · The Viewers, 2019, Performance, Opernhaus-Dach, Oslo © ProLitteris

Carole Douillard · The Viewers, 2019, Performance, Opernhaus-Dach, Oslo © ProLitteris

Jan Freuchen, Jonas Hogli Major, Sigurd Teningen · Oslo Collected Works OSV., 2019, Skulpturpavillon, Nahe des Okern

Jan Freuchen, Jonas Hogli Major, Sigurd Teningen · Oslo Collected Works OSV., 2019, Skulpturpavillon, Nahe des Okern

Hinweis

OsloBiennalen

Oslo — Noch eine Biennale? 2019 lautet Oslos Antwort «ja, aber». Kuratiert vom spa­nisch-norwegischen Gespann Eva González-­Sancho/Per Gunnar Eeg-Tverbakk und voll­ständig durch den städtischen Investitions­fonds finanziert, hat sich OsloBiennalen als einzige Biennale weltweit der Kunst im öffentlichen Raum verschrieben. Sie peilt dabei eine ungewöhnlich lange, fünfjährige Laufzeit an. Kein Event also, der sich als Vehikel fürs Stadtmarketing versteht. So spielt zwar Carole Douillards Performance ‹The Viewers› auf dem Dach des spektakulären Opernhauses, doch die zwanzigköpfige Gruppe verharrt sperrige zwei Stunden lang regungslos in Richtung Innenstadt blickend. Auch ist das Herz der Biennale keine hippe Kunsthalle, sondern ein von Cecilia Martin in Blau-Weiss gestaltetes Besucher- und Informationszentrum in einer umgenutzten Kaserne mit sechzig Künstlerateliers. Die künstlerischen Arbeiten der Biennale sind oft leicht zu übersehen, wie bswp. die des US-amerikanischen Documenta-Teilnehmers Gaylen Gerber: eine komplett in neutralem Grau überstrichene Holzbaracke. Sein Werk spielt bewusst auf Norwegens Geschichte an, wurde die Baracke doch im Zweiten Weltkrieg von den deutschen Besatzern benutzt. Historisch aufgeladen ist auch eine Performance des Kollektivs Rose Hammer, das von politisch Inhaftierten im SS- und Gestapo-Gefängnis Grini handelt. Wer die Projekte der sechzehn Kunstschaffenden und Kollektive im öffentlichen Raum erfahren will, sollte die Stadt gemächlich zu Fuss und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden. Nur so trifft man auf einen altmodischen Uhrmacherladen oder ein Buchantiquariat (beide mit quasi unsichtbaren Interventionen von Michael Ross), aber auch auf einen Unort in einem Stadtautobahngewühl, wo das Trio Freuchen/Tenningen/Major liebevoll-augenzwinkernd ­einen Skulpturenpark aus städtischem Kunstbesitz arrangiert. Das wohl spannendste Projekt der Biennale ist Mette Edvardsens ‹Living Books›: Von ihr ausgewählte Menschen haben für sie selbst bedeutsame Bücher auswendig gelernt. So sind aus bisher 87 Buchtiteln ‹Lebende Bücher› geworden, die an verschiedenen öffentlichen Orten vorgetragen werden. Edvardsens Arbeit verlangt uns ebenso wie die gesamte Biennale unser kostbarstes Gut ab – die freiwillig investierte Zeit. Dies mag unspektakulär klingen, wir finden jedoch die erste OsloBiennalen mit ihrem Bekenntnis zu ‹art in and for public space› genau aus diesem Grund äusserst spannend, ja avantgardistisch.

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
OsloBiennale 25.05.201931.12.2024 Grossausstellung/Festival Oslo
Norwegen
NO
Künstler/innen
Carole Douillard
Gaylen Gerber
Autor/innen
Peter Stohler

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