Protect me from what I want

Protect me from what I want – 15+1 Jahre Helvetia Kunstpreis, 2019, Ausstellungsansicht mit Werken von Florian Germann, Nicole Bachmann, Kaspar Ludwig, Thomas Moor und Gina Proenza & Ruben Valdez. Foto: Gunnar Meier

Protect me from what I want – 15+1 Jahre Helvetia Kunstpreis, 2019, Ausstellungsansicht mit Werken von Florian Germann, Nicole Bachmann, Kaspar Ludwig, Thomas Moor und Gina Proenza & Ruben Valdez. Foto: Gunnar Meier

Protect me from what I want – 15+1 Jahre Helvetia Kunstpreis: ‹È un momento difficile, tesoro›, kuratiert von Sonnenstube, Ausstellungsansicht mit Werken von Tarik Hayward, Lucas Herzig, Brigham Baker, Juice & Rispetta und Gaia Vincensini. Foto: Gunnar Meier

Protect me from what I want – 15+1 Jahre Helvetia Kunstpreis: ‹È un momento difficile, tesoro›, kuratiert von Sonnenstube, Ausstellungsansicht mit Werken von Tarik Hayward, Lucas Herzig, Brigham Baker, Juice & Rispetta und Gaia Vincensini. Foto: Gunnar Meier

Hinweis

Protect me from what I want

St. Gallen — Kann eine Gruppenausstellung die Wirkung von Hochschulen, Jurys, Auszeichnungen und Kunsträumen auf eine künstlerische Karriere aufzeigen? Kann sie dies für alle grossen Schweizer Sprachregionen? Genügen dafür neun exemplarische künstlerische Positionen? Der Anspruch von ‹Protect me from what I want – 15+1 Jahre Helvetia Kunstpreis› ist hoch und der Einstieg überdeutlich: Gina Proenza (*1994) und Ruben Valdez (*1986) aus Lausanne haben in die Kunst Halle Sankt Gallen einen Laufsteg gebaut. Von Wand zu Wand breitet er sich aus und erinnert mit seiner Schleifpapieroberfläche an den sprichwörtlichen roten Teppich. Wer ihn beschreitet, merkt jedoch schnell, dass hier nicht nur Kanten (und Karrierevorstellungen) abgeschliffen werden können, sondern das Terrain ein schwankendes ist, denn der Steg lagert auf Tennisbällen. Sicherheiten gibt es also für junge Künstlerinnen und Künstler nicht – oder? Könnten sie in der Zusammenarbeit mit Sponsoren liegen, so, wie es die Gemäldeserie des Genfers Josse Bailly (*1977) suggeriert mit der ironischen und unbefangenen motivischen Nähe zum Geldgeber? Zwar stehen die Versicherungsgesellschaft und der inzwischen nach ihr benannte Kunstpreis im Titel der Ausstellung, aber sie präsentiert ein vielfältigeres Bild. Dafür sorgt etwa der Einbezug des Offspace Sonnenstube aus Lugano und der Hochschule Luzern, Letztere wird die Verbindung St. Gallen–Luzern in eine Performancestrecke umfunktionieren, Ersterer hat kürzlich seine feste Bleibe verloren und tourt nun mit einem Wohnwagen durch die Schweiz – perfekt also, um in St. Gallen die Bedeutung eines Artist-run Space als Netzwerkplattform zu zeigen, quasi als Ausstellung in der Ausstellung. Auch die Provenienz der Werke spiegelt das heterogene Bild, in dem sich die junge Kunstszene bewegt. Sie stammen teilweise aus der Sammlung des Preisstifters, aus dem Besitz der Künstler und Künstlerinnen oder sind eigens entstanden – und zeigen die Förderung durch Aufträge. Eine Arbeit ist sogar auf Giovanni Carmine zugeschnitten: Der Zürcher Florian Germann (*1978) schickt den Leiter der Kunsthalle in Alien-Schuhen durch die Institution. Der Schall der Tritte hallt akustisch verstärkt durchs Haus – der Kurator: eine omnipräsente Macht. Die Ausstellung ist reich an solchen Schlaglichtern auf das Kunstgefüge, und auch wenn sie in ihrer Knappheit kaum allgemeingültige Aussagen zu treffen vermag, bietet sie einen wichtigen Diskussionsbeitrag. 

Bis 
13.10.2019

Werbung