Renate Buser

Renate Buser · Katan Baoli, 2019, Schwarzweissfotografie (analog)

Renate Buser · Katan Baoli, 2019, Schwarzweissfotografie (analog)

Renate Buser · Dhabhai Kund, 2019, Schwarzweissfotografie (analog)

Renate Buser · Dhabhai Kund, 2019, Schwarzweissfotografie (analog)

Hinweis

Renate Buser

Basel — Mit der Serie ‹Baodi› stellt Renate ­Buser indische Stufenbrunnen ins Zentrum ihrer Schau. Seit vielen Jahrhunderten dienten diese Brunnen als Wasserreservoir, Schattenspender und spiritueller Ort. Teilweise erfüllen sie noch heute diese Funktionen. Es sind komplexe Ingenieurs- und Architekturleistungen mit unzähligen Treppen. Viele zeigen eine reiche figurative oder ungegenständliche skulpturale Ausschmückung der Wände, Nischen und Arkadengänge, eine visuelle Geschichte der hinduistischen und islamischen Religion. Viele der ca. 3000 erhaltenen Bauwerke sind heute dem Verfall preisgegeben. Erst in jüngster Zeit hat die indische Regierung die Notwendigkeit erkannt, diese architektonischen Wunder zu bewahren, und liess 2014 einen der bekanntesten Brunnen ‹Rani ki Vav› in Patan unter den Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes stellen. Aus Distanz sind diese einzigartigen Bauwerke nicht sichtbar, erst wenn man davorsteht, öffnet sich ein spektakulärer Tiefenraum, der bis zum glitzernden Grundwasserspiegel führt. Gebaut wie der Hohlraum einer versenkten Stufenpyramide, sind die alten «Step Wells» rechteckig und mehrstöckig angelegt. Die vielen Treppenstufen bieten die Möglichkeit, jedes Mal einen anderen Weg in die Tiefe einzuschlagen. Mit jedem Schritt nach unten wird es stiller, dunkler und kühler, als würde man den Alltag mit seiner Hektik hinter sich lassen, um zum Wesentlichen vorzustossen. Fasziniert von der archaisch und zugleich futuristisch anmutenden Architektur unternahm die Künstlerin zwei Forschungsreisen nach Gujarat und Rajasthan, die letzte im Februar 2019 in Begleitung eines mehrköpfigen Teams. Im Gepäck befanden sich eine Grossformat-Kamera sowie ein mobiles Fotolabor, um direkt vor Ort Bilder zu entwickeln. Aus den rund 350 analogen Schwarzweissaufnahmen zeigt Renate Buser nun eine Auswahl. Die Bilder sind weit mehr als pure Dokumente einer zerfallenden Welt. Vielmehr geht es um das Erschliessen räumlicher Anordnungen und um die Vermittlung eines hochgradig ästhetisierten, auratischen Kontexts. Schwarzweiss, teilweise überbelichtet werden die geometrischen Strukturen der Bauten betont. Mit ihren ornamental anmutenden, prismatischen Stufengefügen wird der Eindruck von Konkreter Kunst geweckt. Die grossformatigen, in die Wand eingelassenen Bilder von Buser lassen nicht nur das Eintauchen in eine faszinierende Architektur erlebbar werden, sondern auch ein ephemeres Raumerlebnis, das die Vergänglichkeit solcher Bauten spürbar macht. 

Bis 
19.10.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Renate Buser, Gottfried Honegger 07.09.201919.10.2019 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Renate Buser
Autor/innen
Iris Kretzschmar

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