Sandra Boeschenstein

Sandra Boeschenstein · Institut für Geophysik, 2019, aus dem Zyklus: sich Reinknien als Kulturgut, Ölkreide, Ölfarbe und Tusche auf Papier, 100 x 140 cm, Galerie & Edition Marlene Frei, Zürich. Foto: Eric Tschernow

Sandra Boeschenstein · Institut für Geophysik, 2019, aus dem Zyklus: sich Reinknien als Kulturgut, Ölkreide, Ölfarbe und Tusche auf Papier, 100 x 140 cm, Galerie & Edition Marlene Frei, Zürich. Foto: Eric Tschernow

Sandra Boeschenstein · 5 Reinknien verdampfen Wasser, 2019, aus dem Zyklus: sich Reinknien als Kulturgut, Ölkreide, Ölfarbe und Tusche auf Papier, 70 x 100 cm, Galerie & Edi­tion Marlene Frei, Zürich. Foto: Eric Tschernow

Sandra Boeschenstein · 5 Reinknien verdampfen Wasser, 2019, aus dem Zyklus: sich Reinknien als Kulturgut, Ölkreide, Ölfarbe und Tusche auf Papier, 70 x 100 cm, Galerie & Edi­tion Marlene Frei, Zürich. Foto: Eric Tschernow

Hinweis

Sandra Boeschenstein

Zürich — Bei vielen der teils ohne Rahmen präsentierten Blätter fühlt man sich an die alten Meister erinnert, und tatsächlich beherrscht Sandra Boeschenstein ihr Metier meisterhaft. Sie jongliert mit der ganzen historischen Bandbreite, die ihr die Zeichnung, eine der ältesten Disziplinen der Kunst überhaupt, an die Hand gibt. Und dies ausschliesslich schwarz auf weiss! Ganz unverfroren kombiniert sie wie im Kupferstich gedruckte, tatsächlich aber von ihr mit spitzer Tuschfeder fein schraffierte Wolkenformationen à la Dixhuitième, wie man sie etwa aus den Landschaften William Turners kennt, mit zeitgenössisch anmutenden Figuren, die in heutigen Graphic Novels auftreten könnten. Zwischen dem Clash der Jahrhunderte vermittelt eine holländisch anmutende Landschaft à la Ruysdael mit vereinzelten Bäumen, die in einer extremen perspektivischen Flucht platziert sind und dem Blatt eine unerwartete Tiefe verleihen, die aber zugleich so zart hingehaucht sind, dass man sie unter den kontrastreichen Wolken fast übersieht. Bei aller Vielfalt des Dargestellten bleibt die Zeichnung luftig und kann atmen. Viel blankes Papier eröffnet Denkräume rund um die so heterogenen und doch auf einem Blatt vereinten Sujets. «Zeichnung», bemerkte Sandra Boeschenstein einmal, «ist die Kunst des Weglassens», und auch das zeigt sie in ihren Arbeiten. Doch zu den Höhepunkten der Ausstellung bei Marlene Frei zählen grossformatige Blätter, die mit Abdrucken einzelner Gliedmassen oder des Torsos der Künstlerin aufwarten. Im Selbstexperiment und dank erheblicher Körperbeherrschung gelang es ihr, ihren mit schwarzer Ölfarbe präparierten Torso samt Beinen auf das mit weisser Ölkreide grundierte Papier abzudrucken. Das Ergebnis beeindruckt durch seine scharfen Konturen ebenso wie durch die feinen Grauabstufungen der Binnenzeichnung und die dadurch erzielte Plastizität. Obwohl der Zufall, die nur begrenzt kontrollierbare Schwerkraft, hier sicher eine Rolle gespielt hat, verblüfft die Präzision der Darstellung, welche die Künstlerin, nach eigener Aussage, durch Muskelkontraktion erreicht hat, nachhaltig. Die Körper scheinen zum Greifen nahe und erinnern in ihrem schwarzen Karnat vor weissem Grund irgendwie auch an das Umkehrverfahren von Negativ und Positiv in der analogen Fotografie. War dort noch das «Malen mit Licht» gemeint, geht es hier allerdings eher um das «Malen» mit dem eigenen Schatten. 

Bis 
19.10.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Sandra Boeschenstein 28.08.201919.10.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Sandra Boeschenstein
Autor/innen
Mechthild Heuser

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